, Redaktion

Bescheuert oder bescheuert

Doppelfragen, die keine sind

foto: reuters/gardner
foto: reuters/gardner

Seltsame Sachen gibt's. Eine sprachliche Novität ist, meines Wissens, die derzeit immer häufiger zu vernehmende Manier, eine Aussage in die Form einer alternativlosen Pseudo-Doppelfrage zu kleiden. Das funktioniert dann konkret so: Die Behauptung "Das ist bescheuert" wird umgemodelt in die "Frage": "Ist das bescheuert oder ist das bescheuert?"; "Das ist urgeil" wird zu "Ist das urgeil oder ist das urgeil?" und so fort.

Weil es sich, wie leicht nachzuvollziehen, um eine Frage handelt, die in Wahrheit keine ist, nimmt der Sprecher auch nicht ernstlich an, dass er eine Antwort erhält. Dafür darf er sich im Besitze einer gewissen sprachlichen Originalität wähnen, die freilich im selben Maße abnimmt, wie sich diese sonderbare Formel im Sprachraum ausbreitet. Bei den p.t. Lesern aber erkundige ich mich logischerweise: Haben Sie solche Fragen schon einmal gehört – oder haben Sie solche Fragen schon einmal gehört?

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.

Mehr zum Thema Winders Wörterbuch zur Gegenwart