Nicht mehr wurscht

1. Juli 2008, 15:11

Alles hat ein Ende, nur die Wurscht hat zwei

Entweder - oder: Manchmal ist einem etwas wurscht, ein andermal ist einem etwas nicht wurscht. Interessant ist die Formulierung "Das ist mir nicht (mehr) wurscht", die soviel bedeutet wie: "Das regt mich ungemein auf", "das finde ich eine unerhörte Frechheit", "das ist ein unglaublicher Skandal". Es handelt sich hier, wenn ich es recht sehe, um einen typischen Fall des Understatements, eine sehr britische Redefigur mit einem enormen Humorpotenzial. Der britische Autor Eric Ambler schrieb einst in einem seiner Bücher (ich zitiere aus dem Gedächtnis): "Dann brach der Zweite Weltkrieg aus. Es gab jede Menge Probleme, ja sogar ein wenig Verbitterung". Aus der Liste meiner Lieblingsunderstatements steht dieser Satz auf einem der obersten Plätze.

Apropos "wurscht": Der Chronist kennt einen Herren, der die Formel "das ist mir wurscht" auf bemerkenswerte Weise modifiziert, indem er nämlich anstelle von "wurscht" "wurst" sagt, also "Das ist mir wurst" (gesprochen: "st" statt "scht").Dadurch entsteht ein beträchtlicher Verfremdungseffekt, der den meisten Hörern nicht mehr wurscht ist.

Die p.t. Leser aber ersuche ich, ihre frei schwebenden Assoziationen zum Thema "Wurs(ch)t" beizusteuern.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.