, Redaktion

Groß

Seit kurzem wieder schwer im Schwang

Einer der verehrten Poster zu diesem Wörterbuch hat schon vor ein paar Wochen darauf hingewiesen, dass momentan diverse, schon seit langem existierende Kombinationen mit dem Adjektiv "groß" wieder schwer im Schwange sind. Es handelt sich um Formulierungen wie "Das war großes Tennis", "große Oper", "großes Kino" oder "großes Kabarett", häufig auch mit "ganz" verstärkt ("Ganz große Oper" usf.). Verwendet werden sie allerdings nicht, um gloriose Opernaufführungen, fantastische Filme, herrliche kabarettistische Darbietungen und spannende Tennismatches zu kennzeichnen, sondern zur ironischen Charakterisierung von Vorkommnissen, die von ihrem Wesen her weder als Film, Oper, Tennis noch als Kabarett angelegt waren.

Ein typisches Beispiel: Im Mai titelte der Wirtschaftsressortchef der "Presse" einen Kommentar über die Streitereien innerhalb der AUA mit "Ganz großes Kabarett", wobei natürlich jedermann klar ist, dass Herr Ötsch keine Absicht hat, ernsthaft mit Josef Hader oder Alfred Dorfer zu konkurrieren.

Ganz große Assoziationen der Leser zu diesem Thema sind herzlich willkommen.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.

Mehr zum Thema Winders Wörterbuch zur Gegenwart