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Biene Maja

Infantiles an der Abkürzungsfront

Bis zum 28. März 2007 hieß das österreichische Außenministerium offiziell "Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten". Weil sich eine solch ausladende Bezeichnung in voller Länge für eine Internet-Adresse nicht geeignet hätte, verkürzte man sie auf BMaA, sodass diese illustre Staatsinstitution schließlich unter "www.bmaa.gv.at" im Netz zu finden war. Die E-Mail-Adressen der Außenministeriumsmitarbeiter lauteten folgerichtig Manfred.Muster@bmaa.gv.at. Bereits diese Abkürzungsgepflogenheit erwies sich als tückisch, weil das auslautende A-A in "bmaa" geeignet ist, einen recht kindischen Eindruck zu erwecken, vor allem, wenn Mitarbeiter des Ministeriums in diplomatischen Unterredungen gezwungen waren, es tatsächlich auszusprechen, und dazu auch noch in Kombination mit der schlüpfrigen Abkürzung "gv" ("BEE-EMM-AA-AA-Punkt-GE-VAU").

Dann, am 1.3. 2007 wurde das "Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten" in "Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten" umgetauft, weil, so die Begründung von Ministerin Plassnik, "eine scharfe Abgrenzung zwischen ,Innen’ und ,Außen’ längst nicht mehr unserer Arbeitsrealität entspricht und in unserer modernen Welt nicht mehr zutreffend ist. Der neue Name setzt daher ein sichtbares Zeichen. Er unterstreicht die Offenheit, aber auch die Verwobenheit, Partnerschaft und Solidarität, die unsere internationalen Beziehungen prägen."

So weit, so gut, so offen, doch an der Abkürzungsfront hat die Namensänderung keine wirkliche Entspannung gebracht. Denn auch die neue Adresse "www.bmeia.gv.at" wirkt, wenn ausgesprochen, mit ihrem drolligen Eia-Popeia-Flair ("BEE-EMM-EIA-Punkt-GE-VAU") mindestens ebenso infantil wie das frühere A-A.

Unlängst habe ich übrigens gehört, wie ein Staatsdiener in Anspielung auf dieses Bmeia scherzhaft vom Außenministerium als der "Biene Maja" sprach. Ob das ein Privatjux war oder dieser Spaß schon weitere Kreise gezogen hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht können ja die Leser, seien sie nun Beamte oder auch nicht, zweckdienliche Hinweise beisteuern.

Von Christoph Winder
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