Österreicher leben bis zum 59. Lebensjahr ohne Beschwerden

Prävention ist Österreichs Schwachstelle - In anderen Ländern ist die gesunde Lebenserwartung um zehn Jahre höher

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In Malta, Schweden und Großbritannien liegt die gesunde Lebenserwartung bei 68 Jahren, das sind zehn Jahre mehr als in Österreich.

foto: reuters/sergio moraes

Wien  - Nach einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) ist das österreichische Gesundheitssystem "stark verbesserungsfähig". Die mangelnde Prävention wird in der Untersuchung als "die entscheidende Schwachstelle" festgemacht. Nicht zuletzt deshalb leben die Österreicher kürzer ohne Beschwerden als der EU-Schnitt.

Durchschnittlich bis zum 59. Lebensjahr gesund

Im Gegensatz zur steigenden und im Europavergleich leicht überdurchschnittlichen Lebenserwartung sind die Aussichten auf gesunde, beschwerdefreie Lebensjahre in Österreich unterdurchschnittlich. Die "Gesundheitserwartung" liegt in Österreich bei 58,8 Lebensjahren, fast drei Jahre unter dem EU-Schnitt (61,5 Jahre) und nur an 20. Stelle unter den 27 EU-Staaten. Österreich wird somit von 13 Ländern überholt, die eine niedrigere Lebenserwartung haben, aber ein größere Zahl gesunder Jahre erwarten können. In Malta, Schweden und Großbritannien liegt die gesunde Lebenserwartung bei 68 Jahren, das sind zehn Jahre mehr als in Österreich. Umgekehrt liegt Österreich bezüglich der Jahre, in denen die Lebensqualität durch Krankheiten und Behinderungen reduziert ist, mit 22 Jahren an dritter Stelle der EU-27. Im EU-Schnitt liegen die "kranken Jahre" bei 18, in Schweden sind es 12.

Und das, obwohl sich Österreich das zweitteuerste Gesundheitssystem der EU leistet. Pro Kopf kostet es jedem Österreicher jährlich 3.400 Euro. Der EU-Schnitt liegt bei 2.200 Euro. Die Millionen versickern etwa bei den hohen Spitalskosten. Die stationäre Versorgung frisst 35 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben auf.

Mangelnde Vorsorge

Die entscheidende Schwachstelle liegt aber - so die der APA vorliegende WIFO-Studie - in der mangelnden Vorsorge. Die Ausgaben für Prävention liegen mit 1,8 Prozent deutlich unterdurchschnittlich (EU-27 2,9 Prozent), dies entspricht einem Unterschied von 300 Millionen Euro. Die Ausgaben für Prävention steigen in Österreich auch unterdurchschnittlich, die Sozialversicherung ist nur berechtigt, in Prävention zu investieren, wenn die kurativen Anforderungen gedeckt sind. Die erwachsene Bevölkerung konsumiert in stärkerem Ausmaß Alkohol, raucht mehr, ist dickleibiger. Dramatisch ist die Situation bei den Jugendlichen: Bei den Werten der 15-Jährigen liegt Österreich im Schnitt von sechs Gefährdungsindikatoren an 22. Stelle und damit im Schlussfeld.

Eine Messlatte für Erfolge der angestrebten Gesundheitsreform sollte nach Ansicht der WIFO-Studie die Verlängerung der Lebensjahre sein, die gesund und behinderungsfrei verbracht werden können. Die Kosten könnten dabei durch Maßnahmen in den Lebensumständen mindestens so stark verändert werden wie durch interne, notwendige Reformen im Gesundheitssystem wie Reduktion der Bettenzahl, Verbesserung des Schnittstellenmanagements und Finanzierung aus einer Hand. Damit lenkt das WIFO den Blick auf Verhalten und Prävention und bezieht Gruppen und Institutionen ein, die nicht vorweg als Akteure des Gesundheitssystems im engeren Sinn gesehen werden: nämlich Bildungseinrichtungen, Steuergesetzgebung, Arbeitsrecht, Firmen, Familien, Medien und den Einzelnen.

Gesundheitsminister Alois Stöger gab dem WIFO in der ZiB2 bezüglich der mangelnden Vorsorge recht: "Wir müssten mehr in dem Bereich der Prävention zur Verfügung stellen. Das ist mein Kampf, den ich durchaus auch führe. Da brauchen wir mehr Mittel und da sind alle eingeladen, in dem Feld mehr zu tun." (APA)

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