Foto: Alex Stranig

Mir: Hummus und Co abseits des Naschmarkts

10. Jänner 2017, 12:25

Nicht nur am, sondern auch neben dem Naschmarkt kann man neuerdings orientalisch essen – und wie

In den 1980er- und 1990er-Jahren soll hier, in der Wiener Schleifmühlgasse, mal richtig etwas los gewesen sein. So erzählt es zumindest die Kollegin. Nachdem sich in den letzten Jahren die Kulinarikszene vor allem am und maximal wenige Schritte vom Naschmarkt entfernt angesiedelt hat, haben findige Gastronomen nun wieder die Seitengassen entdeckt, die von der Wienzeile weggehen. Erst kürzlich eröffnete in genannter Gasse David Figar eine Dependance seines Szenefrühstückslokals.

Im Tontopf geschmorte Kalbshaxe (14,80 Euro).
foto: alex stranig

Nur wenige Schritte entfernt haben Mirell und Abraham Aurohom aus dem ehemaligen Italiener Gino e Maria ein orientalisches Bistro gemacht und es unter dem Namen "Mir" eröffnet. Die Spuren des verstaubten Ristorante wurden entfernt, und so erinnern lediglich die Treppe mit Geländer am Eingang und die riesigen Gründerzeitfenster noch an das Vorgängerlokal.

Moderne Lampen, gemütliche Sitzmöbel in hellen Farben und ein indirekt beleuchtetes Regal lassen schnell erkennen, dass sich hier jemand etwas gedacht hat bei der Einrichtung. Das Ziel war es, eine Wohnzimmeratmosphäre zu schaffen. Übung gelungen! Und wenn im Wohnzimmer auch noch so freundliche Menschen herumschwirren wie der überaus zuvorkommende Kellner, dann kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen.

Noble Zurückhaltung

Ach so – da war ja noch was. Das Essen. Die Karte ist überschaubar, was zum Bistro-Charakter des Lokals passt. Eine der Vorspeisen ist der "Brotkorb" mit unterschiedlichen Aufstrichen wie Baba Ganoush mit auf Holzkohle geräucherten Melanzani. Bei der Zubereitung der Muhamara (Paste aus gegrillten Paprika, Walnüssen und Granatapfelkernen) dürfte entweder das Gewürz ausgegangen sein, oder es war wirklich Absicht, was schade ist.

Baba Ganoush, Muhamara und Hummus (5,90 Euro).
foto: alex stranig

Der etwas mutlose Gewürzeinsatz zieht sich durch mehrere Gerichte und lässt den Freund der orientalischen Küche etwas ratlos zurück. Ein bisschen Schärfe ist dem heimischen Esser schon zumutbar. Köstlich schmecken die Spezialitäten des Hauses. Hausgemachte Aprach (Gefüllte Weinblätter), Kibbeh (Bulgurtaschen mit Fleischfülle) und Börek kommen mit Joghurt-Gurken-Dip. Herrlich!

Spezialitäten des Hauses mit Börek, Kibbeh und Aprach. Dazu Joghurt-Gurken-Dip (6,40 Euro).
foto: alex stranig

Die im Tontopf geschmorte Kalbshaxe mit Kräuterpolenta ist massiv und kann es mit jedem italienischen Ossobuco aufnehmen.

Gegrillte Forelle mit Erbsendal, sautiertem Mangold und Speckzwetschken (16,80 Euro).
foto: alex stranig

Die gegrillte Forelle wird leider nicht – wie gehofft – im Ganzen, sondern als Filet serviert. Sautierter Mangold und Erbsendal steuern den orientalischen Twist bei. Die – verzichtbaren – Speckzwetschken am Teller sind eh auch okay. Wenn man in der Küche den gleichen Mut an den Tag legt wie bei der Einrichtung, dann ist dieses familiengeführte Lokal auf jeden Fall eine willkommene Alternative zu am Naschmarkt fast schon inflationär vorkommenden Hummus-Buden. (Alex Stranig, 10.1.2017)


Das neue Lokal wirkt hell und freundlich.
foto: alex stranig

Mir
Schleifmühlgasse 21
1040 Wien
Website