Foto: Alex Stranig

Zuckergoscherl: Fleisch und Wein statt Torte und Kaffee

15. August 2017, 11:14

Das Wiener Kult-Café Zuckergoscherl wurde einer Frischekur unterzogen und eröffnete als Café-Restaurant

Da haben die Stammgäste ziemlich blöd aus der Wäsche geschaut, als das Traditionscafé Zuckergoscherl vor zwei Jahren zusperrte. Vor allem für einige Schulschwänzer dürfte eine Welt zusammengebrochen sein, war das Lokal doch ein beliebter Stangl-Hot-Spot. Nun hat das Café wieder offen. Die vergilbten Rüschenvorhänge im Fenster und die abgewitterten Monobloc-Sessel im Schanigarten sind modernen Elementen gewichen. Bodentiefe riesige Fenster lassen sich jetzt komplett öffnen, das Lokal wirkt dadurch wesentlich größer.

Groß und hell

Moderne Einrichtung mit Kupfer an der Bar und Leder an den Stühlen machen aus dem einstigen Kult-Café ein zeitgemäßes Lokal. Lediglich der Lampenschirm, der aus den alten Leuchtbuchstaben gemacht wurde, erinnert noch an vergangene Tage. Betreiber Marcus Langhammer war zuvor im Fischerhaus an der Höhenstraße und im nahegelegenen Rochus als Koch und Geschäftsführer tätig. Mit den Architekten Artmüller hat er aus dem Zuckergoscherl ein modernes Lokal gemacht, in dem man auch deftig essen kann.

Zwei Leberknödel – Rindsuppe & Häuptelsalat (6 Euro)
foto: alex stranig

Offenbar wollte man nicht nur der Einrichtung einen neuen Schliff geben. Auch das Essen wurde einer Frischkur unterzogen. So wird der Leberknödel nicht nur in der Suppe serviert, sondern auch gebacken auf Häuptelsalat serviert. Die kräftige Rindssuppe mit obligatorischen Fettaugen schmeckt, wie sie schmecken muss. Die Leberknödel sind von fester Konsistenz und – als gebackene und gekochte Variante – tadellos gemacht. Dazu serviert man mariniertes Gemüse, das in der Kombination etwas seltsam anmutet, aber köstlich schmeckt. Oft muss man wohl mit alten Mustern brechen.

Fleischtartar – Rind, Kalb & Reh mit Brioche (18 Euro)
foto: alex stranig

Tatar gibt handgeschnitten es einzeln oder in der Trias vom Rind, Kalb und Reh. Ersteres wird mit gebratener Gänseleber serviert. Während Rind und Reh gut abgeschmeckt sind aber relativ ölig gelingen, wurde das Kalb mit Mayonnaise ruhig gestellt. Daran kann auch der darauf gesetzte Avocado-Patzen nichts ändern.

Salonbeuschel mit Schnittlauchknödel (15 Euro)
foto: alex stranig

Das Salonbeuschel mit flaumigem Knödel wird mit einer erfreulich großen Portion Gemüse zubereitet.

Lammpopo & -rücken mit Salzschalgenerdäpfel & Artischocken (23 Euro)
foto: alex stranig

Lammkeule wird in der Karte als "Popo" bezeichnet, was etwas infantil anmutet, und wird gemeinsam mit Rücken serviert. Dazu gibt es Erdäpfel und kunstvoll arrangierte Artischocken. Das Fleisch ist saftig und gut gewürzt. Die dazu gereichte leicht süßliche Sauce ist eine nette Ergänzung. Die Artischocken schmecken nach Sommer. Bleibt zu hoffen, dass sie als Saisonprodukt serviert werden, zumal es sie – zum Beispiel im Marchfeld – aus regionalem Anbau gibt. Früher war alles besser stimmt offenbar doch nur bedingt, wie man im Fall des revitalisierten Zuckergoscherls erkennen mag. (Alex Stranig, 15.8.2017)


foto: alex stranig

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Zuckergoscherl
Landstraßer Hauptstraße 41-43
1030 Wien
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