Der Fahrdienstvermittler Uber begibt sich in Großbritannien an zwei Fronten. In London droht der Lizenzentzug, vor einem Arbeitsgericht in der britischen Hauptstadt legte Uber am Mittwoch Berufung gegen ein Urteil ein, wonach man seinen Fahrern den britischen Mindestlohn zahlen muss. Uber argumentiert, Taxi- und andere Fahrer seien vor Auftauchen der Uber-App "jahrzehntelang" selbstständig gewesen.

Zwei Fahrer klagten

Zwei Uber-Fahrer in Großbritannien hatten im Oktober 2016 vor einem Arbeitsgericht in erster Instanz durchgesetzt, dass sie Anspruch auf Urlaubsgeld, Krankengeld und den britischen Mindestlohn von derzeit 7,50 Pfund (8,55 Euro) haben. Dagegen legte die US-Firma nun Berufung ein.

Vor dem Gerichtsgebäude sagte einer der Kläger, Yaseen Aslamn, Uber-Fahrer seien wegen der hohen Kosten "an die Arbeit gekettet". Die Liste sei lang: Versicherungen, Führerschein ... Es gebe Fahrer, die im Auto schliefen, und welche, die 90 Stunden pro Woche führen, um dann mit einem Verdienst nach Hause zu kommen, der dem Mindestlohn entspreche.

Uber dagegen argumentiert, die große Mehrheit der Fahrer wollten ihre "Freiheit" und ihr eigener Herr sein. Bei Uber hätten sie die freie Wahl und könnten Arbeitsdauer und Arbeitszeiten selbst bestimmen.

Lizenz an bessere Arbeitsbedingungen knüpfen

Der andere Kläger, James Farrar, rief den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan dazu auf, die Verlängerung der Lizenz an eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu knüpfen. Die Londoner Verkehrsbehörde hatte vergangene Woche angekündigt, sie werde die Lizenz für Uber über den 30. September hinaus nicht erneuern. Uber kündigte an, dies juristisch anzufechten.

In London hat das US-Unternehmen nach eigenen Angaben rund 40.000 Fahrer und 3,5 Millionen registrierte Kunden. Uber vermittelt über Smartphone-Apps Fahrten in verschiedenen Angebots- und Preisklassen und ist vor allem etablierten Taxiunternehmen ein Dorn im Auge. Das Unternehmen war 2009 gegründet worden und ist mittlerweile das wertvollste Startup mit Beteiligungskapital.

Ubers Image ist derzeit allerdings stark ramponiert. Unternehmenschef Travis Kalanick trat im Juni nach Berichten über Sexismus und unfaire Arbeitsbedingungen sowie unter dem Druck einflussreicher Investoren zurück. Ende August ernannte der Verwaltungsrat Dara Khosrowshahi, damals Leiter des Online-Reisebüros Expedia, zum Nachfolger. (APA/AFP, 27.9.2017)