Firefox 57 ist da: So will Mozilla die Konkurrenz abhängen

14. November 2017, 16:53

Merklich gesteigerte Performance und neu gestaltetes User Interface – Klassische Add-Ons gestrichen

Bei Mozilla hat man sich die Latte für die aktuellste Ausgabe des eigenen Browsers ganz schön hoch gelegt: "Wie Nacht und Tag" soll der Unterschied zwischen Firefox 57 und seinen Vorgängern sein, kündigte Mozilla-Boss Chris Beard bereits vor einigen Monaten. Der Browser bekommt nicht nur einen optische Generalüberholung, er soll auch noch erheblich flotter sein.

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Nun ist die neue Version erhältlich, und dabei zeigt sich schnell: Es hat sich tatsächlich eine ganze Menge getan. Photon nennt sich die neue Oberfläche, die das bisherige "Australis"-Design ablöst, und sich vor allem durch eine weitere Reduktion auszeichnet. So wurde etwa das separate Suchfenster von Haus aus gestrichen, diese Agenden wandern nun wie bei Chrome und Co. in die URL-Zeile. Wer sich daran nicht gewöhnen will, der kann das Suchfenster aber optional auch weiterhin ab der gewohnten Stelle platzieren.

Firefox 57 mit neuem Design (im Bild die Linux-Variante).
screenshot: andreas proschofsky / standard

Das Tab-Design wurde ebenfalls überarbeitet und präsentiert sich nun wesentlich kantiger, ob man das mag, fällt wohl in die Kategorie Geschmackssache. Der gerade aktive Tab wird dabei zusätzlich über einen Highlight-Linie an der Oberseite gekennzeichnet. Auch die Position von Home- und Reload-Knopf sowie die beim Launch präsentierte Startseite wurden verändert. Eine Art Rückbesinnung gibt es im Hauptmenü, wo es nun wieder eine klassische Listenansicht statt der zuletzt favorisierten, von Symbolen dominierten, Symboldarstellung gibt.

Speed

Das zentrale Versprechen von Firefox 57 bleibt aber die gesteigerte Performance, und tatsächlich fühlt sich der Browser auf dem Testsystem (Gentoo Linux x86_64) merklich flotter als seine Vorgänger an. In Benchmarks kann man trotzdem noch nicht ganz zur Konkurrenz aufschließen: So kommt Firefox auf dem betreffenden Rechner beim auf Alltags-Szenarien ausgerechneten Speedometer Benchmark auf einen Wert von 63,0 – der Chrome 64 erzielt hier aber deutlich bessere 102,4 Punkte.

Auch das Hauptmenü wurde aufgeräumt.
screenshot: andreas proschofsky / standard

Möglich werden die aktuellen Performanceverbesserungen des Firefox durch zentrale Umbauten an der Softwarebasis. Der neue Quantum Compositor beschleunigt die Anzeige von Webseiten generell, unter dem Namen Quantum Flow wurden zudem dutzenden Performance-Bugs bereinigt. Eine weitere Neuerung ist der WebRender, der das Rendering der Seite auf den Grafikchip auslagert. Diese Technologie ist im Rahmen von Servo entstanden, einer experimentellen Rendering Engine, die intern bei Mozilla entwickelt wird, und von der man immer mehr Teile in den Firefox übernehmen will.

Web Extensions statt Add-Ons

Für einige Kontroversen dürfte hingegen eine andere Entscheidung sorgen: Firefox 57 verabschiedet sich nämlich von klassischen Erweiterungen und konzentriert sich ganz auf die neueren "Web Extensions". Letztere erlauben allerdings einen wesentlich weniger tiefen Eingriff in den Browser, was auch bedeutet, dass so mancher bestehende Firefox-User nach dem Update auf gewohnte Tools verzichten muss.

Die neue Version unterstützt nur mehr Web Extensions.
screenshot: andreas proschofsky / standard

Screenshots

Bei neuen Funktionen gibt sich Firefox 57 hingegen relativ zurückhaltend. Zumindest ein neues Screenshot-Feature ist aber hinzugekommen, das auch durchaus gut gelungen ist. Darüber können auch gezielt einzelne Bereiche einer Seite aufgenommen und über einen Web-Service mit anderen geteilt werden. Besonders nett ist dabei eine Nutzungsmodus, indem einzelne Elemente einer Seite individuell angewählt werden können.

Zur neuen Screenshot-Funktion gehört auch ein Webservice über den schnell Bilder mit anderen geteilt werden können.
screenshot: andreas proschofsky / standard

Firefox 57 steht in Versionen für Windows, Linux und macOS zum Download. Bestehende Nutzer erhalten das Update automatisch. (Andreas Proschofsky, 14.11.2017)