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Anästhesisten sind mehr als "Hilfskräfte von Chirurgen"

26. November 2017, 07:00

Medizinisch Machbares ist nicht immer im Sinne des Patienten, sagen Anästhesiologen. Sie konzentrieren sich zunehmend auf Palliativmedizin

Vier von zehn Patienten werden am Ende ihres Lebens übertherapiert – die meisten von ihnen "chronisch kritisch Kranke" ohne Heilungschancen. Wenn kurative Therapie nicht mehr zielführend ist, kann eine Therapiezieländerung weg von der Lebensverlängerung hin zur Lebensqualität-Verbesserung die beste Entscheidung sein, heißt es von Anästhesiologen.

Lag in den 1940er-Jahren in Industrieländern die mit Anästhesie in Zusammenhang stehende Sterberate vor, während und nach einer Operation bei bis zu 100 von 100.000, liegt sie nun seit den 1980er-Jahren relativ konstant bei 0,4 von 100.000. "Auf diesen Lorbeeren wollen wir uns nicht ausruhen", erklärt Intensivmediziner Achim von Goedecke. "Wir werden die Rate weiter senken." Auch wenn die Patienten nicht zuletzt dank der neuen technischen Möglichkeiten durchschnittlich immer älter werden. Wann es sinnvoll ist, sie chirurgisch zu behandeln, müsse im Einzelfall kritisch reflektiert werden. Es bestehe die Gefahr, mit einer Behandlung nicht Linderung, sondern Leid zu verursachen.

Alternative zu Maximaltherapien

Die medizinische Fachrichtung "Anästhesiologie und Intensivmedizin" wird immer noch in erster Linie mit dem Themenbereich Narkose assoziiert. Als "Hilfskräfte von Chirurgen" fungieren diese Spezialisten aber schon lange nicht mehr, so die Mediziner. Ein stark wachsender Bereich ist mittlerweile etwa die Palliativmedizin als Alternative zu Maximaltherapien bei geringen Heilungschancen.

Rund 1,2 Millionen Operationen werden in Österreich pro Jahr durchgeführt. Bei 120.000 Patienten führen diese zu chronischen Schmerzen, wobei Frauen nach Eingriffen öfters betroffen sind. Rudolf Likar, Vorstand der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am Klinikum Klagenfurt: "Hier verbessern optimale Versorgungsstrukturen die Situation." (APA, 26.11.2017)