Großprojekt: Historisch-kritische Edition der Werke Hans Kelsens

4. Dezember 2017, 07:00

Rechtswissenschafter gilt als Architekt der österreichischen Bundesverfassung

Wien – Die in Mainz ansässige Akademie der Wissenschaften und der Literatur hat eine historisch-kritische Edition der Werke des Rechtswissenschafters Hans Kelsen begonnen, der maßgeblich die österreichische Verfassung von 1920 mitgestaltet hat. Das Vorhaben wird von Matthias Jestaedt von der Universität Freiburg geleitet und von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz in Deutschland bis 2042, also 25 Jahre lang, gefördert.

Im Akademienprogramm der von Bund und Ländern in Deutschland gemeinsam getragenen Wissenschaftskonferenz werden langfristige, vor allem geisteswissenschaftliche Vorhaben gefördert, die aufgrund ihrer langen Bearbeitungsdauer für andere Projektförderungen nicht geeignet sind. Nun wurde das Projekt "Hans Kelsen Werke" mit 1. Jänner 2018 in dieses Akademienprogramm aufgenommen.

Historischer Hintergrund

Hans Kelsen (1881-1973) war einer der herausragendsten Juristen und Rechtstheoretiker des 20. Jahrhunderts und gilt als "Architekt" der österreichischen Bundesverfassung von 1920. Er studierte in Wien, wurde 1919 Ordinarius an der Uni Wien, wo er die "Wiener Rechtstheoretische Schule" begründete, und Verfassungsrichter. Ab 1930 war Kelsen Professor für Völkerrecht an der Universität Köln. Die Nationalsozialisten enthoben ihn 1933 aufgrund seiner jüdischen Abstammung vom Amt und Kelsen unterrichtete in Folge in Genf und Prag. 1940 emigrierte Kelsen in die USA, wo er bis 1957 an der University of California in Berkeley lehrte und auch starb.

Kelsens wissenschaftliches Oeuvre umfasst Arbeiten zur Rechtstheorie sowie zahlreiche Beiträge zu Theorie und Dogmatik von Staats- und Völkerrecht, zur Rechtssoziologie sowie zur Rechts-, Staats- und Sozialphilosophie.

In Zusammenarbeit mit dem Hans-Kelsen-Institut in Wien, wo der Nachlass des Juristen aufbewahrt wird, sollen nun sämtliche Werke in chronologischer Reihenfolge und in der Sprache ihres Erstdrucks historisch-kritisch editiert werden. Verantwortlich dafür ist der Freiburger Rechtswissenschafter Matthias Jestaedt und die an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg angesiedelte Hans-Kelsen-Forschungsstelle. Bis 2042 soll die gesamte Edition in 32 Bänden gedruckt und digital veröffentlicht werden, fünf Bände sind bereits erschienen. (APA, 4. 12. 2017)