Foto: AP/Peter Barreras

Breakthrough-Preis für britisch-österreichischen Forscher Nasmyth

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4. Dezember 2017, 11:51

Im Silicon Valley wurden die mit jeweils drei Millionen US-Dollar dotierten Breakthrough-Preise vergeben. Einer der Gewinner leitete lange das IMP in Wien

Mountain View/Wien – Die wichtigsten wissenschaftlichen Auszeichnungen der Welt, die Nobelpreise, werden erst im Laufe dieser Woche überreicht. Eine andere glamouröse und ausgesprochen gut dotierte wissenschaftliche Preisverleihung fand aber schon gestern, Sonntag, im kalifornischen Mountain View statt: Vergeben wurden in Anwesenheit zahlreicher Prominenter die unter anderem von Sergey Brin, Juri Milner und Mark Zuckerberg gesponserten Breakthrough-Preise.

Die Preise sind mit je drei Millionen US-Dollar (2,53 Mio. Euro) dotiert und werden in drei Kategorien vergeben: Biowissenschaften, Physik und Mathematik. Die Breakthrough-Preise 2018 für Biowissenschaften wurden fünfmal verliehen, einer ging an den britisch-österreichischen Wissenschafter Kim Nasmyth, der von 1997 bis 2006 das Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien leitete und 2005 an die University of Oxford berufen wurde. Seit 2006 ist der gebürtige Londoner auch österreichischer Staatsbürger.

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Die weiteren Preisträger in der Kategorie Biowissenschaften, die je ein Preisgeld von drei Millionen Dollar erhalten: Joanne Chory vom Salk Institute for Biological Studies in La Jolla, Don W. Cleveland vom Ludwig Institute for Cancer Research der University of California, San Diego, Kazutoshi Mori von der Universität Kyoto und Peter Walter von der University of California, San Francisco.

Gruppenpreis in Physik

Der Breakthrough-Preis in Physik geht diesmal an ein 27-köpfiges Team für die Arbeit am Wilkinson Microwave Anisotropy Probe der Nasa, darunter: Charles L. Bennett von der Johns Hopkins University in Baltimore, Gary Hinshaw von der University of British Columbia in Vancouver sowie an Norman Jarosik, Lyman Page und David N. Spergel (alle drei Princeton University).

Den Preis in der Kategorie Mathematik teilen sich Christopher Hacon von der University of Utah und James McKernan von der University of California, San Diego.

Von links: Schaupielerin Mayim Bialik und die Physik-Preisträger Norman Jarosik, David N. Spergel, Lyman Page, Charles L. Bennett und Gary Hinshaw.
foto: ap/peter barreras

Chromosomenschäden auf der Spur

Kim Nasmyth erhielt die Auszeichnung für seine bahnbrechenden Arbeiten zur Chromosomentrennung, die er großteils am IMP durchführte. Der Forscher entdeckte während seiner Zeit in Wien, dass das Molekül Cohesin eine ringförmige Struktur bildet, die sich um je zwei Schwester-DNA-Moleküle schlingt. Wie ein Gummiband hält Cohesin dann die DNA-Paare zusammen, bis sie bereit zur Trennung sind. Das Ringmolekül steuert damit die korrekte Verteilung genetischen Materials während der Zellteilung.

Nasmyths Erkenntnisse führten zur Entdeckung weiterer Funktionen von Cohesin, etwa bei der Reparatur von DNA, der Genomarchitektur oder der Genregulation. Damit kann man erklären, wie Fehlfunktionen von Cohesin zu Chromosomenschäden führen, die in Folge Fehlgeburten oder Krebs auslösen können. Der wissenschaftliche Direktor des IMP, Jan-Michael Peters, wertet die Auszeichnung für Nasmyth als "großartige Anerkennung für Nasmyths bahnbrechende Arbeit und die herausragende Qualität der Wissenschaft am IMP".

Die Breakthrough-Preise wurden 2013 von dem Entwickler der Google-Suchmaschine, Sergey Brin, dem russischen Internetfirmen-Investor Yuri Milner, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und seiner Frau Priscilla Chan sowie der Gründerin der Gentestfirma 23andMe, Anne Wojcicki, gestiftet. (red, APA, 4.12.2017)