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Der Krampus-Ehrenkodex und das Problem mit der Haftung

5. Dezember 2017, 06:02

Bei größeren Perchtenläufen wird es für die Veranstalter immer schwieriger, eine Versicherung zu finden

"Denken Sie dran, rechtzeitig eine Event-Haftpflichtversicherung für Krampus- und Perchtenläufe abzuschließen" – derartigen Erinnerungen schickt die heimische Versicherungsbranche schon seit Oktober verstärkt aus. Adressaten sind alle Gemeinden, in denen es alter Brauch oder neue Gepflogenheit ist, in der kalten Jahreszeit hässlichen Gestalten zu huldigen.

Je nach Größe des Events kann es aber inzwischen schwierig werden, überhaupt einen Versicherer zu finden. Denn das Risiko wird immer unkalkulierbarer. Nach mehreren Ausschreitungen gleich nach dem Start der Saison stand beispielsweise der Krampusumzug in Klagenfurt, mit rund 1.000 Perchten und 40.000 Zuschauern eines der größten derartigen Höllenspektakel in Österreich, knapp vor der Absage. Erst in letzter Minute konnte der Brauchtumsverband einen Versicherer für das Großevent am 26. November finden.

Freiwilliges Alkoholverbot

Der Ruf nach der Polizei als Ordnungshüter wird nur bedingt erhört. Prinzipiell sind die Veranstalter selbst für die sichere Abwicklung der Events verantwortlich. Die Polizei schreitet ein, wenn es zu Übergriffen oder zur Gefährdung der öffentlichen Sicherheit kommt. In Klagenfurt etwa standen 150 private Ordner im Einsatz, die Polizei kommandierte 50 uniformierte und zivile Beamte ab. Jede Perchtengruppe musste zwei Verantwortliche nennen.

Der Kärntner Brauchtumsverband hat bereits vor einigen Jahren einen Krampusehrenkodex herausgebracht, der unter anderem ein striktes Alkoholverbot für Umzugsteilnehmer vorsieht. Die Einhaltung der Regeln ist aber freiwillig und wird auch praktisch nicht kontrolliert. Das größte Problem ist und bleibt der Alkohol – sowohl hinter der Maske als auch hinter der Absperrung.

Demaskierungszone

Alle Krampus-, Perchten- und Weihnachtsmannläufe müssen grundsätzlich bei den Gemeinden gemeldet werden. Ab einer gewissen Größe kann die Behörde Auflagen erteilen wie zum Beispiel die Route vorgeben oder bestimmte Gassen sperren. Freies Perchtentreiben gibt es fast nirgendwo mehr, der bürokratische Aufwand nimmt zu. Oft müssen teilnehmende Maskenträger Erklärungen unterschreiben und Haftungen übernehmen.

Im Verhältnis zur Vielzahl von Perchtenläufen sind Zwischenfälle, bei denen Zuschauer ernsthaft verletzt werden, gering. Aber selbst Krampusse sind nicht vor Angriffen gefeit. In Graz wurde deswegen eine eigene Demaskierungszone geschaffen. (simo, 5.12.2017)

Perchtenlauf: Zum Fürchten, aber trotzdem zum Lachen.