Foto: Puls 4/screenshot

"20 Jahre Austria 3" auf Puls 4: Ambros beim Zwiebelhacken

6. Dezember 2017, 17:29

Wie so oft ergibt sich Rudi Dolezal der Obsession, sich selbst ergriffen ins Bild zu holen oder "intime, nie veröffentlichte Dokumente" zu lüften

Der sich selbst gerne als Pop-Chronist der Nation gerierende Filmproduzent Rudi Dolezal ist bekanntlich ein Mann mit sehr persönlichem Zugang zur Geschichtsschreibung. Schon immer wurden bei der von ihm mit Verve betriebenen Dokumentation der "Stars" und "Helden" und "Legenden" und "Überflieger" des heimischen Musikminiversums tendenziell jene liegengelassen, die abseits von Ö3 und "Kronen Zeitung" ihre Kunst unters Volk bringen (müssen).

Entsprechend unbehaglich näherte man sich auch der diesmal sehr, sehr persönlich angelegten Doku "20 Jahre Austria 3 – Die Helden des Austropop" auf Puls 4. Abgefeiert wurden Rainhard Fendrich, Wolfgang Ambros und der verstorbene Georg Danzer, die von 1997 bis 2006 als das nach der Tschickmarke Austria 3 benannte Kollektiv ihre jeweiligen Solohits zusammen auf die Bühne brachten.

Der vor genau 20 Jahren erfolgte Gründungsakt – ein Benefizkonzert für Obdachlose im Theater an der Wien – ist Anlass für die Doku; und tatsächlich hätte man sich aufmachen können, drei Ausnahmebiografien von vielen Seiten zu beleuchten, Fragen zu stellen, die jenseits von Klatsch, Tratsch und Sensation interessieren.

Aber wie so oft ergibt sich Dolezal der Obsession, sich selbst ergriffen mit ins Bild holen zu müssen oder "intime, nie veröffentlichte Dokumente" zu lüften, wie die "Mallorca-Tapes" – wackelige Aufnahmen von Proben für ein nie erschienenes A3-Album, deren Schauwert über Ambros beim Zwiebelhacken und Fendrich in Jogginghosen nicht hinauskommt.

Fans, die das verpasst haben, können also beruhigt sein. Und zum Jubiläum auf ihre guten alten A3-Platten vertrauen. Die in der Werbepause angepriesene "neue" ist so neu freilich nicht. (Stefan Weiss, 6.12.2017)