Missbrauchsvorwürfe: US-Senator Franken tritt zurück

7. Dezember 2017, 18:01

Demokratischer Senator: Schlimmster Tag meines politischen Lebens – Franken war seit 2008 Senator

Washington – Der demokratische US-Senator Al Franken wird nach einer Reihe von Vorwürfen sexueller Übergriffe zurücktreten. Er gab seine Entscheidung am Donnerstag in Washington bekannt. Dies sei der schlimmste Tag seines politischen Lebens, sagte Franken im Senat in Washington.

Nachdem in den vergangenen Tagen neue Anschuldigungen laut geworden waren, war der Druck auf Franken auch aus den eigenen Reihen schlagartig gewachsen: Mehr als 30 der 48 demokratischen und unabhängigen Senatorinnen und Senatoren forderten ihn zum Rücktritt auf.

Die Rücktrittsrede von Al Franken im US-Senat.
pbs newshour

Franken sagte, sein Rücktritt entbehre nicht einer gewissen Ironie, sitze doch im Weißen Haus jemand, der auf Tonband mit sexuellen Übergriffen geprahlt habe. Franken spielte damit auf frühere Äußerungen Donald Trumps an. Dieser hatte gesagt, als Berühmtheit könne man sich Frauen gegenüber alles erlauben und ihnen auch in den Schritt fassen.

Franken (66), ein in den USA sehr prominentes Mitglied der demokratischen Partei, ist seit 2008 Senator. Vor seiner Karriere in der Politik war er unter anderem Radiomoderator, er trat auch in der populären Sendung Saturday Night Live auf.

Die Vorwürfe gegen Franken hatten im November mit der Schauspielerin und Musikerin Leeann Tweeden begonnen: Sie hatte ihn beschuldigt, ihr vor einem gemeinsamen Auftritt vor Soldaten in Afghanistan zu nahe gekommen zu sein. Auf dem Heimflug von Afghanistan soll er ihr zudem – für ein Foto posierend – an die Brüste gefasst haben, als sie geschlafen habe. Auf dem Foto trug die Frau eine schussfeste Weste.

Nach den Enthüllungen über den Hollywood-Manager Harvey Weinstein sind in den USA zahlreiche Anschuldigungen gegen mächtige Männer aus der Medien- und der Unterhaltungsbranche sowie aus der Politik laut geworden. In der US-Politik steht derzeit der republikanische Senatskandidat in Alabama, Roy Moore, im Kreuzfeuer. Mehrere Frauen werfen ihm Übergriffe vor. Am Dienstag wird in Alabama gewählt. (APA, 7.12.2017)