Sportprogramm von Türkis-Blau: Viel Rauch, wenig Feuer

Analyse |
16. Dezember 2017, 18:33

Der Präsident der Sportunion wird Finanzminister. Zum neuen Wirkungsfeld von Heinz-Christian Strache gibt es nur Allgemeinplätze

Das Regierungsmitglied mit dem größten Sportbezug gibt künftig den Finanzminister. Hartwig Löger ist Vizepräsident der Österreichischen Bundes-Sportorganisation und Präsident des Dachverbands Sportunion. Als solcher rechnete der Steirer erst im November der künftigen Regierung vor, dass jeder in den Sport investierte Euro fünffach zurückkomme. Ein Satz, der sich auch im Regierungsprogramm findet. Zudem forderte Löger die Umsetzung der täglichen Bewegung an allen Kindergärten, Volksschulen und Schulen der Zehn- bis 14-Jährigen – auch das ist im Programm zu finden, wenn auch nicht wortwörtlich.

Der nominell erste Sportler des Landes, der designierte Vizekanzler Heinz-Christian Strache, darf als Kämpfer gegen das absolute Rauchverbot in der Gastronomie nicht mit großem Vertrauensvorschuss in der Sportszene rechnen. Erst am Freitag übte Felix Gottwald, der dreifache Olympionike in der nordischen Kombination, in seinem Blog heftige Kritik daran, dass just der bald höchste Sportpolitiker des Landes den beschlossenen Rückschritt in Sachen Nichtraucherschutz als politischen Erfolg und gute Lösung für alle feierte.

Die vorliegenden Auslassungen zum Sport im Regierungsprogramm – immerhin über fünf Seiten – dürften die Zweifel nicht sofort zerstreuen. Bekenntnisse zu schon seit Jahren auf dem Tisch liegenden Forderungen überwiegen echte Ansagen. Immerhin werden grosso modo alle unter den Nägeln brennenden Themen kurz angerissen. Zwar heftet sich die Regierung "die Erarbeitung einer übergeordneten und langfristig ausgerichteten Strategie zur österreichischen Sportförderung" auf die Fahnen, Konkretes ist aber nicht festgeschrieben. Die Anfang 2018 in Kraft tretende Reform der Sportförderung sei jedenfalls ungenügend, so fehle etwa ein Hebel, um "unkoordinierte Doppel- und Mehrfachförderungen zu vermeiden" – auch mangels Abstimmung mit den Ländern und ihrer Einrichtungen. Auf Hebelsuche soll auch durch die Erstellung einer übergeordneten nationalen Gesamtstrategie namens "Sportstrategie Austria" gegangen werden. Das klingt sehr nach Arbeitskreis. (Sigi Lützow, 16.12.2017)