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Handball: Scheitern in Kroatien als Ansporn für Heim-EM

17. Jänner 2018, 17:03

Nach Aus in der Vorrunde herrscht Enttäuschung aber keine Endzeitstimmung

Porec – Nach der klaren 28:39-Niederlage gegen Norwegen und dem Ausscheiden bei der Europameisterschaft in Kroatien herrschte im österreichischen Handballlager zwar Enttäuschung, aber keine Endzeitstimmung. "Ziel war die Hauptrunde, aber wir können trotzdem viel Positives mitnehmen", sagt Bernd Rabenseifner, Generalsekretär des Österreichischen Handballbundes (ÖHB). Schon die Quali für die EM müsse als Erfolg eingestuft werden. "Länder wie Polen oder Russland haben sich nicht einmal qualifiziert und sind im WM-Playoff nicht dabei. Die Luft an der Spitze des europäischen Handballs ist schon sehr dünn geworden."

Im Hinblick auf die Heim-Europameisterschaft 2020 wird sich der ÖHB mit dem kroatischen Verband nach Turnierende zusammensetzen und analysieren, was in der Organisation gut und was schlecht war. Es gab Ärgernisse in Porec, die Sicherheitskontrollen beim Halleneingang haben zu lange gedauert, die Zusatztribünen waren nicht korrekt nummeriert, sodass viele Fans ihre Plätze nicht fanden.

Zentrale in Wien

Abseits des Spielfeldes gibt Österreich im europäischen Handball dafür den Ton an. Die Geschicke des Verbandes (EHF) werden vom Wiener Michael Wiederer als Präsident und vom Tullner Martin Hausleitner als Generalsekretär geleitet, das Büro der EHF befindet sich in Wien-Meidling. Gibt es so große Sympathien für Österreich bei der EHF? "Das muss auf jeden Fall so sein", sagt Rabenseifner. "Im Ernst. Sie sind beide gute Netzwerker und seit 20 Jahren bei Kongressen erste Ansprechpartner, wenn es um Weiterentwicklung des Handballsports geht."

Der Zuspruch der Heim-EM 2020 war Verhandlungsgeschick, dabei haben sich anfänglich Norwegen, Schweden und Österreich separat beworben. "Hausleitner hatte dann die Idee für eine gemeinsame Bewerbung und formte aus drei Konkurrenten ein Team."

Die Heim-EM vor acht Jahren nützte der ÖHB als Initialzündung. Das Jahresbudget beträgt mittlerweile drei Millionen Euro, im Verbandsbüro arbeiten zehn Mitarbeiter. "Früher trug man Länderspiele in Traun vor 700 Zuschauern aus, jetzt wird in der Albert-Schultz-Halle in Wien vor zehnmal so vielen Zuschauern gespielt. Eine gute Entwicklung."

Ungewisse Förderung

Ein Unsicherheitsfaktor bleibt das Thema Sportförderung. Die Bundes Sport GmbH hat eine neue Geschäftsführung, es gibt noch keine Förderkriterien für 2019. Im Projekt Rio wurde das Handballteam der Herren als einzige Mannschaft unterstützt, aus dem Olympiafördertopf bekommt der ÖHB heuer 300.000 Euro. Gelder, die für Spiele, Lehrgänge und Personal des Nationalteams verwendet werden. Zum Vergleich: Weltmeister Frankreich unterhält alleine 23 Nachwuchszentren für acht Millionen Euro. Jährlich.

Ein großes Ziel des ÖHB ist laut Rabenseifner eine Teilnahme am Qualifikationsturnier für Olympia 2020 in Tokio. Dafür könnte ein Top-Ten-Platz bei der Heim-EM reichen. Dort möchte man außerdem statt auf dem Spartensender ORF Sport+ auf ORF 1 laufen. "Es ist noch viel Überzeugungsarbeit notwendig." (Florian Vetter aus Porec, 17.1.2018)