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Multiple Sklerose: Der beschwerliche Weg einer Betroffenen

Rezension |
10. Februar 2018, 15:00

Claudia Hontschik schreibt offen und schonungslos über ihr Leben mit Multipler Sklerose. Betroffene kann das Buch nicht empfohlen werden, denn es regiert die Hoffnungslosigkeit

Claudia Hontschik lebt seit fast 30 Jahren mit MS. Sie ist gebildet, Mutter von zwei Kindern, gutsituiert und wohnt mit ihrem Mann – einem Arzt – in einem Haus. Garten und Veranda inklusive. Die Erkrankung kostet Geld: Rollstuhl, Treppenlift, barrierefreies Bad, Feldenkrais-Stunden. Sie hat sich stets gegen die medikamentöse Basistherapie entschieden. Sie wollte einen alternativen Weg gehen, der sich letztendlich als äußerst beschwerlich entpuppt. Zumindest liest sich das so.

Im Buch "Frau C hat MS" legt Claudia Hontschik den Fokus auf die Verluste: Das Abhandenkommen der Autonomie, die Hindernisse, die einem beim Theater-, Kino- oder Restaurantbesuch oder schlicht beim Einkaufen begegnen. Was auffällt: In den Schilderungen von Frau C. ist das Glas immer halb leer. Es gibt zwar auch gute Zeiten, die gehen aber in Nebensätzen unter.

Sicher, das Buch hat eine Stärke: Es schärft den Blick auf den Alltag mit MS, auf die Probleme, die selbst banale Situationen bereiten können. Etwa das Ärgernis mit öffentlichen Toiletten oder Gehsteigkanten. Letztendlich stellt sich aber doch die Frage, für wen dieses Stück Betroffenheitsliteratur geschrieben ist. Für an MS erkrankte Menschen wohl eher nicht: Denn dieses Buch macht alles andere als Mut. (Günther Brandstetter, 10.2.2018)