Foto: Alex Stranig

Ferrari Caffè: Wenn Eismacher kochen

6. Februar 2018, 12:45

Im ehemaligen Take Five wird neuerdings italienischer Kaffee und Essen serviert

Die Zeit, als in der Wiener Annagasse "Fashion-Partys" (Wien-Style) gefeiert wurden und Z-Promis breitgrinsend ihr Gesicht in jede noch so unwichtige Kamera hielten, gehört der Vergangenheit an. Im ehemaligen Club "Take Five" wurden früher Feste mit Namen wie "Golden Night", "The great Gatsby" oder "Fete Bleue" gefeiert. Die Möchtegern-Hautevolee hat mittlerweile andere Lokalitäten gefunden, um sich (un)gekonnt in Szene zu setzen.

Den Club gibt es nicht mehr. Dafür werden hier seit kurzem italienischer Espresso und süße Köstlichkeiten serviert. Pietro Viscovich, zweifelsohne einer der besten Eismacher der Stadt, eröffnete hier unweit seines "Ferrari Gelato" in der Krugerstraße ein neues Café, in dem man nicht nur Süßes essen kann. In dem sehr hell, freundlich und modern anmutenden Lokal darf man der Pâtissière durch die Glasscheibe auf die Finger schauen, einen Raum weiter wird dann richtig aufgekocht.

Bruschette (9,90 Euro)
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Warum man in einem italienischen Café, das so viel köstliche Dolce in der Vitrine hat, Gerichte wie Ente, gegrillten Lachs oder Garnelenspieße an den Mann bringen muss, erschließt sich jedoch nicht ganz. "Schuster bleib bei deinen Leisten", denkt man sich still und wundert sich über die etwas letscherten Bruschette mit Tomaten, Blauschimmelkäse und Thunfischsauce oben drauf. Immerhin ist das Sauerteigbrot hausgemacht, wie der Kellner stolz verkündet. Die kunstvoll auf jeden der überdimensionalen Teller gespritzte Balsamicocreme erlebt hier ebenfalls ein Revival.

Rindercarpaccio mit Parmesan und Gemüse (12,50 Euro)
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Dass der Koch weiß, dass man Rindercarpaccio am besten in gefrorenem Zustand schneidet, ist ihm hoch anzurechnen. Allerdings sollte man dem Fleisch zumindest etwas Zeit geben, sein Aroma zu entfalten. An noch tiefgefrorenen Rinderfiletscheiben zu kauen, ist aber wenig attraktiv. Zumindest liegt unter dem Fleisch noch etwas frisches Gemüse.

Ravioli aus Kartoffelteig gefüllt mit Ricotta und Spinat (11 Euro)
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Zurück zur Balsamicocreme: Gekonnt reklamiert sie sich auf jeden Teller. Auch auf jenen mit den überdimensionalen und in Butter schwimmenden Ravioli. Die an Osttiroler Schlipfkrapfen erinnernden Riesentascherln werden nicht mit Nudel- sondern mit Kartoffelteig gemacht und schmecken überraschend köstlich. Ricotta-Spinat-Füllung und Salbeiblätter gehen eine herrliche Symbiose mit dem Kartoffelraviolo ein.

Tagliatelle mit Bolognese Ragout (11 Euro)
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Auch Tagliatelle al ragù gelingen, wie man es sich beim Italiener erwartet. Die al dente gekochten Nudeln haben einen guten Biss, dem Bolognese Ragout wurde die nötige Zeit gegeben, um sein sattes nach Fleisch schmeckendes Aroma zur Gänze zu entfalten.

Entenbrust mit Agrumen (17,50 Euro)
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Glückselig vom Geschmack italienischer Familienküche, wird plötzlich etwas zu Tisch gebracht, das mehr als verwundert: Entenbrust in einer Art Orangensauce mit Gnocchi. Die viel zu saure und dominante Sauce und das trockene Brüstchen lassen nur einen logischen Schritt zu – die wirklich gelungenen und kompakten Gnocchi zur Gänze aufzuessen und den Rest höflich mit der Serviette zu überdecken.

Tiramisu (6 Euro)
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Nach der Pflicht folgt aber die Kür und das sind hier eindeutig die Süßspeisen. Das luftig cremige Tiramisu mit seinem intensiven aber nicht aufdringlichen Geschmack nach Kaffee ist eine Offenbarung.

Millefoglie (5 Euro)
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Ebenso großartig gelingt Millefoglie, eine köstlich süße Vanillecreme zwischen drei Blätterteigscheiben gepresst und mit Staubzucker bestreut. Diese Mehlspeisen könnten den umliegenden Traditionshäusern ernsthaft Konkurrenz machen. Italienische Restaurants hingegen haben nichts zu befürchten. (Alex Stranig, 6.2.2018)

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Ferrari Pasticceria Caffè
Annagasse 3-3a
1010 Wien
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