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Experten warnen vor Verkehrsunfällen durch Schlafapnoe

17. Februar 2018, 05:41

Menschen mit Schlafstörungen haben ein erhöhtes Risiko Verkehrsunfälle zu verursachen. Bei fehlender Behandlung können Herzschwäche und Schlaganfälle die Folge sein

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (DGP) warnt vor den gesundheitlichen Folgen unbehandelter Schlafstörungen. Wie gefährlich Sekundenschlaf sein kann, zeigten zwei Zugunglücke, die sich in New York und New Jersey ereigneten, weil die jeweiligen Lokführer am Steuerpult eingeschlafen waren. Wie sich herausstellte, litten beide an einer obstruktiven Schlafapnoe.

Auch für Autounfälle machen die Experten der DGP Tagesschläfrigkeit und Sekundenschlaf, die durch nächtliche Schlafprobleme verursacht werden, zu einem erheblichen Teil mitverantwortlich. Zwar dürfen in der EU Menschen, die an Schlafapnoe und Tagesschläfrigkeit leiden, Kraftfahrtzeuge nur dann steuern, wenn sie kontinuierlich erfolgreich behandelt werden, allerdings wissen die Betroffenen häufig gar nicht, dass sie an einer Schlafapnoe leiden, wie der Pneumologe Winfried Randerath von der DGP betont. Ihr Risiko im Straßenverkehr einen Unfall zu verursachen ist jedoch um das Zwei- bis Siebenfache im Vergleich zu gesunden Menschen ohne Schlafproblemen erhöht.

Fehlende Sauerstoffversorgung

Eine Schlafapnoe macht sich meistens durch lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Atemaussetzern bemerkbar. Bei dieser Form der Schlafapnoe kommt es zu einer starken Entspannung der ringförmigen Muskulatur um die oberen Atemwege. Das führt zu einer Sauerstoff-Unterversorgung.

"Aber die obstruktive Schlafapnoe ist bei Weitem nicht der einzige Grund für Tagesschläfrigkeit und Sekundenschlaf. Ein- und Durchschlafstörungen sowie Atmungsschwächen bei Herz- oder Lungenerkrankungen können ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Und nicht jeder Patient mit Schlafapnoe zeigt die typischen Symptome", sagt Randerath.

"Die Anzahl der Menschen die an einer nicht diagnostizierten Schlafapnoe leiden ist immer noch hoch", erklärt der Experte. Bei der häufigsten Form der Schlafapnoe kollabieren im Schlaf die Atemwege des Patienten immer wieder. Dies kann von zehn Sekunden bis zu zwei Minuten dauern, und die Atmung beziehungsweise Sauerstoffversorgung unterbrechen. Der Körper steigert seine Atmungsanstrengung, erlebt permanente Stressreaktionen. Der Schlaf bringt unter diesen Umständen keine Erholung mehr.

Versorgungsangebot wird immer knapper

"Wer sich tagsüber häufig – und scheinbar grundlos – müde oder schläfrig fühlt, sich schlecht konzentrieren kann oder gar ungewollt einschläft, sollte seinen Schlaf untersuchen lassen", rät Randerath. Denn bei unbehandelter Schlafapnoe drohen auch Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Schlaganfall. (red, 17.2.2018)