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Hülsenfrüchte: Nachfrage in Europa enorm gestiegen

19. Februar 2018, 14:51

Das von den Vereinten Nationen ausgerufene Internationale Jahr der Hülsenfrüchte 2016 hat die Nachfrage nach Leguminosen-Produkten vorangetrieben

Erbsen und Bohnen, Soja und Lupinen – Europas Lebensmittelhersteller nutzen Hülsenfrüchte wieder häufiger: Innerhalb von vier Jahren stieg die Anzahl von Produkten mit Körnerleguminosen wie Bohnen, Linsen oder Soja um 39 Prozent. Als besonders erfolgreich erwiesen sich Fleischersatzprodukte mit einer Wachstumsrate von 451 Prozent auf dem europäischen Markt.

Auch weltweit steigt die Nachfrage: In den vier Jahren von Mitte 2013 bis Mitte 2017 sind genau 27.058 neue Produkte auf den Markt gekommen, die Hülsenfrüchte enthalten. Gesammelt wurden diese Daten im Rahmen des EU-Projektes TRUE.

Die höchsten Wachstumsraten verzeichneten die Forscher auf dem europäischen Markt: 39 Prozent mehr Produkte eroberten hier die Lebensmittelmärkte. Spitzenreiter sei das Vereinigte Königreich, in dem 19 Prozent der neuen Produkte in Europa zu finden waren, gefolgt von Frankreich (14 Prozent) und Deutschland (13 Prozent), erklärt João Ferreira, Student an der Universidade Católica Portuguesa (UCP), die das Projekt durchgeführt hat.

Bewusstsein schaffen

Die Zeitspanne ihrer Untersuchung wählten die Forscher, um die Auswirkungen des Internationalen Jahres der Hülsenfrüchte zu erfassen. Dieses hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) 2016 ausgerufen, um das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Vorteile von Hülsenfrüchten in Bezug auf Gesundheit, nachhaltige Entwicklung und Ernährungssicherheit zu schärfen.

Bei den verschiedenen Produktkategorien hätten vor allem Fleischersatzprodukte zugelegt – mit einer Wachstumsrate von erstaunlichen 451 Prozent, berichtet Carla Teixeira vom Projektpartner PortugalFoods. Es folgten Pasta mit einem Anstieg von 295 Prozent und Snacks aus Bohnen mit einem Zuwachs von 128 Prozent.

Auch bei den Arten von Hülsenfrüchten gab es Verschiebungen: Grüne Bohnen wurden zwar im Untersuchungszeitraum am meisten verarbeitet, doch ihr Gesamtanteil sank um 23 Prozent im Vergleich zu 2013. Kichererbsen dagegen legten um 47 Prozent zu, Linsen um acht Prozent.

Deutliche Wirkung

Betrachtet man die gesundheitsbezogenen Angaben bei den Produkten mit Hülsenfrüchten, so kann ein Anstieg um 196 Prozent bei veganen und 73 Prozent bei glutenfreien Produkten beobachtet werden.

Das Resümee der Forscher: Die Lebensmittelindustrie in Europa hat seit 2013 sowohl die Vielfalt als auch die Menge der Hülsenfrucht-Produkte erhöht. Das Internationale Jahr der Hülsenfrüchte 2016 zeigt daher eine deutliche Wirkung.

"Es ist ein Erfolg, dass für die europäischen Verbraucher durch das Jahr der Hülsenfrüchte nun mehr Produkte mit Leguminosen-Bestandteilen verfügbar sind", sagt Marta Vasconcelos von der UCP. "Eines der Projektziele ist die Entwicklung neuer leguminosenbasierter Produkte, um den Leguminosenverbrauch insgesamt zu steigern. Wir haben jetzt eine gute Grundlage, mit der wir in den nächsten vier Jahren weiterarbeiten können."

Anbau in Europa ausweiten

Der Anbau der ökologisch sehr vorteilhaften Körnerleguminosen habe in Europa großes Potenzial, kommentieren Wissenschaftler der Universität Hohenheim in Stuttgart. Um die gesteigerte Nachfrage mit heimischen Rohstoffen zu decken, müsste er aber ausgeweitet werden.

Da gibt es derzeit noch einige Hindernisse: "Ein Problem ist der Mangel an Ertragssicherheit und Wirtschaftlichkeit", erklärt der Agrarökonom Enno Bahrs. "Wir erforschen daher unter anderem, welche politischen Förderinstrumente hier greifen könnten." (red, 19.2.2018)