Foto: Dietmar Stiplovsek

Marco Rossi: Vorarlberg, Schweiz, Nordamerika

29. März 2018, 21:38

Der 16-Jährige gilt als größtes österreichisches Eishockey-Talent. Sein Vater Michael schildert den mühsamen Weg und das durchaus realistische Ziel NHL

Zürich/Wien – "Da sieht man schon, dass er was kann", beschreibt Michael Rossi die Leistungen seines Sohns Marco in der Elite A, der Schweizer U-20-Liga im Eishockey. Mit Können meint der bescheidene Vater: bester Scorer (neun Punkte) in den Playoffs, mit 16 Jahren wohlbemerkt. Nicht umsonst gilt der Center als größte österreichische Hoffnung.

Zurzeit spielt er in Küsnacht für die GCK Lions, das Farmteam vom nicht einmal zehn Kilometer entfernten Züricher Erstligisten ZSC Lions. Seit vier Jahren macht Rossi dort diverse Altersklassen unsicher, er ist immer der Jüngste.

Nach 51 Scorerpunkten in 29 Spielen in der U17 kam der Feldkircher letzte Saison in die U20, am 24. November 2017 feierte er wiederum sein Profidebüt in der Swiss League, der zweithöchsten Liga. Nach dem dortigen Saisonende pendelte er wieder zur U20 und kämpft mit dieser am Wochenende (Samstag, 16.30 Uhr und Sonntag, 15.45 Uhr) gegen Servette Genf um den Meistertitel.

Pendeln gewöhnt

Nicht nur sportlich ist der 1,76 Meter große Bub das Pendeln gewöhnt, besucht er doch noch jeden Montag und Dienstag, sofern es der Trainingsplan zulässt, die Handelsschule in seiner Geburtsstadt Feldkirch. Klingt stressig, sei aber eine Entspannung zur Anfangszeit beim GCK: "Wir sind drei Jahre täglich gependelt, das war brutal. Er hat Glück, dass ich so eishockeyverrückt bin. Nach der Arbeit hab ich Marco zum Training gefahren. Im Auto hat er die Hausaufgaben gemacht", sagt der Vater, jahrelang selbst Verteidiger bei der VEU Feldkirch.

Marco sei in der Eishalle aufgewachsen, habe mit "ein, zwei Jahren" den Schläger in der Hand gehalten. Doch in Österreich gingen ihm irgendwann die Gegner aus. "Er hat als Elfjähriger bereits gegen 16-Jährige gespielt. Das kann auch körperlich gefährlich werden. Und um das ganze Potenzial zu entfalten, muss man Talente früh fördern."

Also folgte 2012 der Sprung in die Schweiz zu Rheintal U15, nur 20 Kilometer von der Heimat entfernt. Das war der Grund, Angebote der Red-Bull-Akademie in Salzburg und aus Schweden abzulehnen. Ein überzeugender Auftritt als Gastspieler bei einem internationalen Turnier ermöglichte den Sprung zu den Lions.

asec mimosas

Erwachsenes Hirn

Der 16-Jährige lebt mittlerweile in einer eigenen Wohnung in Zürich. Neben der Reife ("Marco selbst wollte immer den nächsten Schritt gehen") beeindruckt den Vater "sein hoher Hockey-IQ. Wenn man auf der Tribüne zwei Passoptionen sieht, findet Marco auf dem Eis die dritte. Es ist ein erwachsenes Eishockeyhirn in einem Kinderkörper." Das locke auch NHL-Scouts an, die Montreal Canadiens und Washington Capitals haben ihn bereits beobachtet.

"Marco hat unlängst zu mir gesagt: 'Papa, ich träume nicht von der NHL. Ich will in die NHL'", sagt ebendieser Papa. "Auch bei 40 Grad hat er im Sommer 500 Schüsse gemacht. Dann hat man ihm halt einen Sonnenschirm aufgestellt." Verbesserungspotenzial gebe es überall. "Ich sage immer: Es reicht für heute, kann aber für morgen zu wenig sein."

"Bei vielen Spielern in Europa denkt man sich, der müsste doch in der NHL spielen. Da hat vermutlich nicht die Persönlichkeit gestimmt", spricht der Vater einen weiteren Faktor an. Ums Sportliche kümmern sich Manager, um "Marcos Gemütszustand" der Papa. "Salopp gesagt: Ich schau, dass mein Sohn kein Ungustl wird." Abheben dürfe er nicht, auf dem Eis "darf er aber ruhig ein bisserl arrogant sein. Für den Teamerfolg", sagt der Vater.

Vanek ist Vanek

Vergleiche mit Nico Hischier lehne er ab. Das Schweizer "Ausnahmetalent" wurde 2017 von den New Jersey Devils als Nummer eins gedraftet. "Nico ist Nico. Vanek ist Vanek. Marco macht das nur verrückt."

Altersbedingt käme für Rossi der NHL-Draft 2020 infrage. Dann endet auch sein Vertrag in Zürich, der eine Ausstiegsklausel für das Ausland enthält. Die kanadischen Juniorenligen, für viele wie Hischier ein Zwischenschritt in die NHL, seien sicher "irgendwann ein Thema. Stand jetzt spielt er aber auch nächste Saison in der Schweiz." Dann auch gleich von Beginn weg in der Swiss League, im "Erwachsenen-Eishockey".

Step by Step sei das Motto. Einer davon führt im April (14. bis 20.) zur U18-WM der drittklassigen Division IB nach Kiew. Der Aufstieg müsse das Ziel sein. Diesmal ganz unbescheiden. (Andreas Gstaltmeyr, 29.3.2018)