Foto: Hofer

Hofer und Co: Wenn Diskonter Designermode verkaufen

Kolumne |
10. April 2018, 07:12

Wenn "Stardesigner" Mode machen, sollte Vorsicht geboten sein

Immer, wenn von der Zusammenarbeit mit einem Stardesigner die Rede ist, ist Vorsicht geboten. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass hinter dem Star der Designer Guido Maria Kretschmer steckt. Der deutsche Alleskönner, der dem gemeinen Fernsehzuschauer als Kommentator des Vox-Formats "Shopping Queen" bekannt ist, macht so ziemlich alles: Armbänder, Schultertaschen und Liegelandschaften für Otto, Rucksäcke für den Kaugummihersteller Wrigley und Schmuckstücke für das Unternehmen Christ.

Das alles wäre eigentlich noch nicht der Rede wert. Denn die Designs (pastellfarben gestreifte Polster oder irgendwie geblümte Kurzarmblusen) kommen so innovativ und bemerkenswert wie der neueste Clou der Tchibo-Kette daher.

Doch nicht hinter jedem unscheinbaren Geniestreich steckt ein Guido Maria Kretschmer, bei seinen Fans unter dem Kürzel GMK bekannt. Aktuell läuft ihm ein Designer aus Düsseldorf den Rang ab. Steffen Schraut hat für Hofer (und in Deutschland Aldi Süd) eine Kapsel-Kollektion entworfen. Der Name Schraut wird den "Shopping Queen"-Fans und vielen anderen nicht viel sagen. Der Deutsche macht zwar seit mehr als 15 Jahren Mode, ist aber keiner, der seine Nase in die Öffentlichkeit streckt. Seine Entwürfe sind im Wiener Kaufhaus Steffl genauso wie in Onlineshops wie Stylebop vertreten, das Gesicht hinter dem Namen aber kennt kaum jemand. Das ist kein Zufall, sondern Strategie. Auf Schrauts Website heißt es über die Marke: "Das Produkt steht im Mittelpunkt, weniger der Kreative."

Schwarze Jogginghosen, weiße Männerhemden, Röhrlhosen: Wer hat diese Kollektion noch mal entworfen?
foto: hofer

Das klingt erst einmal sympathisch, in der Mode sind schließlich genügend Genies und Angeber unterwegs. Für Schrauts Hofer-Kollektion gilt der Leitspruch "Fokus aufs Produkt" allerdings nicht. Der Düsseldorfer hat für den Diskonter Kleidungsstücke designt, die genauso gut aus Guidos Feder hätten stammen können: schwarze Jogginghosen mit Tunnelzug für Frauen, schwarze Skinny-Jeans und weiße Hemden für Männer. Sie scheinen wie gemacht für alle und jeden. Ein Kompliment liest sich anders.

Bei noch genauerem Hinsehen könnte man auch zu dem Schluss kommen: Alles das könnte nicht nur GMK entworfen haben, alles das sieht in Wahrheit nicht viel anders aus als die Hofer-Kollektion der Designerin Jette Joop vor zwei Jahren. Aber was soll's. Wenn von einem Stardesigner die Rede ist, sollte bekanntlich Vorsicht geboten sein. (Anne Feldkamp, 10.4.2018)

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