April: Täglicher Einkauf wurde um 3,8 Prozent teurer

16. Mai 2018, 14:50

Die Inflationsrate sank leicht auf 1,8 Prozent. Wohnen und Energie bleiben die wesentlichen Preistreiber

Wien – Die Preissteigerung hat im April (im Jahresabstand) in Österreich 1,8 Prozent betragen, nach 1,9 Prozent im März ist die Inflation also leicht zurückgegangen. Hauptverantwortlich dafür waren laut Statistik Austria billigere Flugtickets sowie ein schwächerer Preisauftrieb bei Zigaretten. Stärkster Preistreiber waren die Ausgaben für Wohnung, Wasser und Energie, auch Restaurants und Hotels wurden teurer.

AK will Mietobergrenze

Die Wohnungsmieten stiegen im April 2018 um 3,9 Prozent zum Vergleichsmonat des Vorjahres. Angesichts der starken Steigerung fordert die Arbeiterkammer eine Mietrechtsreform. "Wohnen ist zu wichtig, als dass es stiefmütterlich behandelt wird. Die hohen Mieten sind für viele Menschen eine Belastung.

Wir brauchen rasch klare Mietobergrenzen, damit Wohnen endlich billiger wird", sagt AK-Präsidentin Renate Anderl in einer Aussendung. Ein neues Mietrecht müsse Maßnahmen zur wirksamen Mietensenkung leisten, also eine klare Mietzinsobergrenze für den Großteil der Wohnungen enthalten.

Die Ausgaben für Treibstoffe stiegen um 3,3 Prozent, hingegen wurden Flugtickets um 8,2 Prozent billiger. Die Preise für Telefon- und Telefaxdienste gingen um 3,1 Prozent zurück, die Kosten für Mobiltelefone um 11,4 Prozent.

Einkauf schneller verteuert

Die täglich im Geldbörsel gespürte Preissteigerung war im April mehr als doppelt so hoch wie die Gesamtinflation: Während die Gesamtinflation 1,8 Prozent ausmachte, lag die Preissteigerung für den täglichen Einkauf, der im Mikro-Warenkorb abgebildet ist, bei 3,8 Prozent. Auch das Preisniveau des Mini-Warenkorbs, der die wöchentlichen Ausgaben für Nahrungsmittel, Dienstleistungen und Treibstoffe darstellt, stieg um 3,2 Prozent überdurchschnittlich, wie die Statistik Austria am Mittwoch in einer Aussendung mitteilte.

Butter wurde um 22,8 Prozent teurer, Zeitungen schlugen mit 9,9 Prozent höheren Preisen zu Buche. Äpfel waren im April 2018 um 8,9 Prozent teurer als im April des Vorjahres. Frischmilch kostete um 4,3 Prozent mehr. Der Preis für eine Melange im Kaffeehaus und auch für ein Flaschenbier stieg um 3,2 Prozent. Erdäpfel wurden um 2,4 Prozent teurer.

Mineral- und Tafelwasser spiegelte mit 1,8 Prozent Preissteigerung genau die Gesamtinflation wider. Die Schinkensemmel wurde im April um 1,7 Prozent teurer (Gebäck und Schinken vom Schwein), Orangensaft und Tiefkühlpizza um je 1,4 Prozent. Vollmilchschokolade kostete um 0,8 Prozent mehr, Tomaten wurden um 10,1 Prozent billiger.

Die Preise für Haushaltsenergie stiegen moderat (insgesamt +0,8 Prozent), da höhere Preise für Heizöl (+7,8 Prozent) und feste Brennstoffe (+5,8 Prozent) teilweise durch niedrigere Gaspreise (-5,9 Prozent) kompensiert wurden. Die Kosten für Fernwärme stiegen um 1,5 Prozent, jene für Strom gingen um 0,2 Prozent zurück.

Billigere Pauschalreisen

Im Vergleich der Preise von April 2018 gegenüber März 2018 lag die Steigerung bei 0,2 Prozent. Dabei erwiesen sich die Ausgaben für Verkehr (durchschnittlich +1,2 Prozent) als Hauptpreistreiber im Monatsabstand. Hauptpreisdämpfer waren die Ausgaben für Freizeit und Kultur (durchschnittlich -1,2 Prozent), weil Pauschalreisen saisonbedingt deutlich billiger wurden.

Die Teuerung laut des auf europäischer Ebene harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) lag im April 2018 bei +1,9 Prozent zum Vorjahresmonat. Die Differenz zum Verbraucherpreisindex (VPI) von 0,1 Prozentpunkten beruhe auf Gewichtungsunterschieden, erläutert die Statistik Austria, etwa erhöhten kräftige Preisanstiege für Restaurants und Hotels den HVPI gegenüber dem VPI.

Inflationsrate in Eurozone gesunken

Trotz massiver Geldspritzen der EZB geht die Inflation in der Euro-Zone zurück. Sie fiel im April auf 1,2 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Mittwoch mitteilte und damit eine frühere Schätzung bestätigte.

Noch im März waren die Preise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,3 Prozent angezogen. Für die Europäische Zentralbank (EZB) kommt dies höchst ungelegen. Sie hat seit März 2015 mit dem Kauf von Wertpapieren bereits rund 2,4 Billionen Euro in das Finanzsystem gepumpt, um für mehr Inflation zu sorgen. Doch ihr Ziel einer Teuerung von knapp zwei Prozent verfehlt die EZB dennoch seit Jahren. (APA, 16.5.2018)