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Bärenfell und Tee mit Milch: Karl Hohenlohe berichtet aus London

16. Mai 2018, 15:47

Wir lernen, dass die Briten, von denen im Jahr 2018 unverändert 80 Prozent eisern zur Krone stehen, eigentlich gar keinem Staatsakt entgegenfiebern

Von Karl Hohenlohe könnte sich so mancher Blaublutexperte, der dieser Tage seinen englischen Senf zum anstehenden Großereignis im Hause Windsor abgibt, etwas abschauen. Seit Jahrzehnten berichtet der Journalist über die Welt des guten Essens, der schönen Künste und des hohen Adels, aus dem er ja selbst stammt, mit einem sympathischen Zug zur Naivität und bodenständiger Distanziertheit. Das tut gut.

Für die ORF-3-Sendung Aus dem Rahmen reiste Hohenlohe nun nach London, um sich angesichts der Vorbereitung zur royalen Hochzeit von Prinz Harry und der US-Schauspielerin Meghan Markle am kommenden Samstag ein wenig umzusehen. Wir lernen, dass die Briten, von denen im Jahr 2018 unverändert 80 Prozent eisern zur Krone stehen, eigentlich gar keinem Staatsakt entgegenfiebern. Denn mit nur rund 600 geladenen Gästen, darunter nicht einmal Premierministerin Theresa May (die laboriert an Brexit-Kopfschmerzen), wird die Sache vergleichsweise "intim".

Nicht fehlen wird die königliche Garde. Neben Marschieren, Stehen und Schreien üben die professionell gelenksteifen Rotjäckchen auch imposante Musikstücke wie "Jurassic Park". Die nicht minder eindrucksvolle Kopfbedeckung der Gardisten stammt aus der Schlacht bei Waterloo. Man stahl sie den besiegten Franzosen, die das wärmende Bärenfell aus ihren kanadischen Kolonien bezogen.

Beim Gespräch mit einem Ex-Butler von Prinz Charles lernen wir dann noch viel über das richtige Teezeremoniell. Wichtig: zuerst die Milch, dann der Tee, damit das dünne Porzellan nicht springt. Wer das am Samstag vor dem Fernseher mit seinem groben Frühstückshumpen probiert, kann auf die Reihenfolge aber verzichten. (Stefan Weiss, 16.5.2018)