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Gartenmöbel fürs Wohnzimmer im Grünen

7. Juni 2018, 13:51

Gute Nachrichten für Garten- und Balkonbesitzer: Dank neuer Fertigungsmöglichkeiten für Möbel werden die Räume im Freien immer öfter zum zweiten Wohnzimmer

Es ist erstaunlich. Waren Gärten und Balkone möbeltechnisch über lange Zeit ein stiefmütterlich behandeltes Entwicklungsgebiet, zieht Jahr für Jahr mehr Stil in die Grünräume aller Art ein. Die neuen Stücke sind keine Gartenmöbel mehr, sondern "Outdoor-Objekte", und viele von ihnen nicht nur wasserfest und ausbleichresistent, sondern auch so universell, dass sie im Winter nicht einmal eingelagert werden, sondern in der Loggia oder im Wintergarten unterkommen können. Mitunter sogar im echten Wohnzimmer.

Da werden zum einen altbekannte Innenraum-Klassiker neu aufgelegt. Thonet etwa hat mit der "All Seasons"-Reihe schon vor zwei Jahren seine Stahlrohrikonen von Mart Stam, Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe wettertauglich gemacht, um dieses längst vergessen geglaubte Lebensgefühl, dessentwegen sich Mid-Century-Möbel so großer Beliebtheit erfreuen, nun auch ins Grüne zu katapultieren.

Der "S 35" von Thonet
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Die Ikonen böten einen großen Spielraum in dieser Hinsicht, sagt der Hersteller, die Kollektion "funktioniert das ganze Jahr". Damit die Freischwinger, Beistelltische und Loungesessel der Witterung standhalten, wurde das Metall mit einer Schutzschicht überzogen, es halte jetzt sogar rauestes Küstenklima aus. Das Netzgewebe der Garnitur ist UV-beständig, die Töne orientieren sich an der Farbenlehre des Bauhauses. Und weil Bauhaus eben immer funktioniert, hat auch Hersteller Tecta den Clubsessel "D4" von Marcel Breuer, gewissermaßen die faltbare Variante des "Wassily Chair", nun nach draußen gebracht.

Drinnen & Draußen

Laut dem "BranchenReport Baumärkte" in Österreich liegen die Ausgaben für Gartenmöbel und -dekorationen hierzulande aktuell bei über 30 Euro pro Kopf und Jahr. Das klingt zunächst nicht sonderlich hoch, markiert aber einen neuen Höchststand (2002 lagen die Ausgaben noch 30 Prozent darunter). Die Landlusterei der Österreicher manifestiert sich eben nicht nur in urwüchsigen Gärten, Kräuterbeeten und dem Grillgerät, sondern auch in einer wohnlicheren Gestaltung von Gärten und Terrassen.

Kleine Tische weichen großen Tafeln, Stühle werden bequemer, und mitunter wird das Grillgut gleich auf der Sofalandschaft serviert, die dank neuer Fasern kaum einen Unterschied mehr zur Indoor-Variante erkennen lässt. So wie das Sofa "Brea" von Barber & Osgerby für Dedon, mit dem sie nicht weniger als "das modulare Sofa für den Außenbereich neu erfinden" wollten. Obwohl es nicht danach aussieht, ist es sehr wandelbar. Ohne Polster ist es zwar weniger gemütlich, aber nicht weniger ansehnlich.

Oder das Sofa "Dune" von Sebastian Herkner für Gloster, dessen üppige Polster mit Stoffen bezogen sind, die der Designer selbst entwickelt hat. Sie werden aus sogenannten Sunbrella-Garnen hergestellt, die wetterbeständig sind.

Die Reihe "Dune" für Gloster von Sebastian Herkner.
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Ein weiteres Beispiel ist das "Butterfly"-Sofa von Patricia Urquiola für den Hersteller B&B Italia Outdoor. Das modulare Sofa basiert auf einem Hocker, der mittels weiterer Hocker, Rücken- und Armlehnen zu einem vollwertigen Sofa ausgebaut werden kann. Mit seinen geschwungenen Formen sieht es nicht wie ein klassisches Terrassenmöbel aus, und nach Angaben des Herstellers ist es auch erst durch neue technische Verfahren möglich geworden, "die hohen Ansprüche an Bequemlichkeit, die für Indoor-Möbel gelten, nun auch Outdoor zu garantieren".


Eine der derzeit umtriebigsten Designerinnen, die Spanierin Patricia Urquiola, entwarf diese Outdoor-Kollektion für das Unternehmen Kettal.
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Die Möbel der "Roll"-Kollektion für Kettal (ebenfalls von Urquiola entworfen) sehen eher italienisch aus – und gar so wohnzimmermäßig, dass sie draußen fast deplatziert wirken, weil man sie vor dem nächsten Regen schnell reinholen möchte.

Die minimalistische Kollektion "San", die der französische Designer Lionel Doyen für Manutti entworfen hat, ist von der japanischen Ästhetik geprägt: Die tiefen Möbel sind aus Irokoholz gefertigt, das Gestell aus pulverbeschichtetem Edelstahl. Das Ergebnis ist ein Look, der tatsächlich universell einsetzbar ist.

San von Manutti.
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Flechtkunst

Aber natürlich sind auch die klassischen Gartenstühle nicht ganz verschwunden. Sie sehen nur besser aus: Mit seiner "Weekend"-Serie für Petite Friture zeigt das zungenbrecherverdächtige Studio BrichetZiegler eine sehr grafische Auslegung des klassischen "Monobloc" (ja, der archetypische weiße Gartenstuhl hat tatsächlich einen Namen); die "Palissade"-Kollektion der französischen Brüder Bouroullec für Hay hat sich schon in einigen Hinterhöfen eingebürgert.

So fesch können Gartenmöbel sein: in Rot das Ensemble "Laze" von Roda.
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Und auch der klassische "Acapulco Chair" hat 70 Jahre nach seiner Erfindung nichts von seinem Charme eingebüßt. Auch heute werden Flechtmöbel spannend interpretiert: Gordon Guillaumier hat für Roda einen Outdoorstuhl entworfen ("Laze"), und Sebastian Herkner mit dem deutsch-kolumbianischen Hersteller Ames die Kollektion "Caribe" herausgebracht, für die er nach Kolumbien reiste und sich dort die traditionell Flechtkunst zeigen ließ, die schon die Kinder in der Schule lernen. So entstand eine Kollektion mit moderner Formensprache, die trotzdem verspielt und exotisch wirkt.

Korbtisch aus der Kollektion Caribe für Ames von Sebastian Herkner.
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Sogar das Parkett schafft es nach draußen. Der fließende Übergang ist möglich durch neuartige Keramikfliesen oder Terrassendielen in Holzoptik, wie sie zum Beispiel von Trex Company angeboten werden. Das Verbundmaterial besteht zu 95 Prozent aus recyceltem Holz und Plastik. Die Dielen wirken warm und natürlich und selbst bei genauerem Hinsehen nicht künstlich. Das neue Holz soll weitgehend resistent sein gegen Sonnenstrahlen, Flecken, Kratzer und Schimmel. Schmutz kann einfach abgewaschen werden, das Abschleifen und Ölen entfällt.

Wie man es sich letztlich einrichtet: Die Möglichkeiten sind vielfältig, wie der Garten endlich zu dem wird, was er im Sommer für die, die sich glücklich schätzen dürfen, einen zu haben, ohnehin ist: dem zweiten Wohnzimmer. (Florian Siebeck, RONDO, 7.6.2018)

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