Foto: AP/Frank Augstein

2:1 gegen Schweden: Deutschland wieder im Rennen

23. Juni 2018, 22:22

Nach dem Traumfreistoß von Kroos in der Nachspielzeit und dem damit fixierten Erfolg darf der Weltmeister wieder auf den Achtelfinaleinzug hoffen. Boateng sah in Schlussphase Gelb-Rot

Sotschi – Mit einer gehörigen Portion Glück hat Deutschland bei der Fußball-WM in Schweden die realistische Chance auf das Achtelfinale am Leben erhalten. Der Titelverteidiger gewann am Samstag in Sotschi gegen Schweden dank eines Treffers von Toni Kroos in der 95. Minute mit 2:1 und hält damit in Gruppe F so wie die Skandinavier bei drei Punkten.

Deren abschließender Gegner Mexiko holte bisher sechs Zähler, auf Deutschland wartet nun das punktlose Südkorea. Alle vier Mannschaften können theoretisch noch aufsteigen beziehungsweise ausscheiden.

Schock für Deutschland

Ola Toivonen brachte den Außenseiter in der 32. Minute in Führung. Deutschland schaffte den Ausgleich durch Marco Reus in der 48. Minute, verlor in der 82. Minute Jerome Boateng mit Gelb-Rot und zitterte sich trotzdem noch zum Sieg. Bei einem Unentschieden wäre das erste Deutsche Out überhaupt in einer WM-Gruppenphase wahrscheinlich gewesen, nun sollte ein souveräner Sieg über Südkorea reichen.

Dabei hatte es zunächst nicht nach einem Zittersieg ausgesehen. Der vierfache Weltmeister, bei dem Mats Hummel verletzt ausfiel und Mesut Özil sowie Sami Khedira auf die Bank degradiert wurden, begann äußerst druckvoll. Das DFB-Team schnürte die Schweden in deren Strafraum ein und wurde erstmals nach zwei Minuten gefährlich, als ein Schuss aus kurzer Distanz von Julian Draxler durch Sebastian Larsson abgeblockt wurde. Sechs Minuten später verfehlte Draxler das Tor aus spitzem Winkel nur relativ knapp.

Elferalarm

Schön langsam aber befreiten sich die Skandinavier aus der Umklammerung und legten dabei die schon gegen Mexiko zu beobachtende Konteranfälligkeit der Deutschen offen. In der 13. Minute zog Marcus Berg allein aufs Tor und wurde beim Schussversuch von Jerome Boateng zu Fall gebracht – die Deutschen hatten Glück, dass dieser Aktion kein Elfmeterpfiff folgte.

Der Auftritt von Ola Toivonen

Um den Spielfluss des Weltmeisters war es jedoch vorerst geschehen, und kurz nachdem Sebastian Rudy wegen einer Nasenverletzung den Platz verlassen hatte, schlug Schweden zu. Toni Kroos leistete sich einen kapitalen Fehlpass, Toivonen nahm eine Flanke von Victor Claesson mit der Brust mit und schupfte den Ball über DFB-Goalie Manuel Neuer ins Tor. Der Torschütze hatte in der vergangenen Saison in 23 Liga-Partien für seinen Klub Toulouse keinen einzigen Treffer erzielt. Während danach Schwedens Keeper Robin Olsen eine Doppelchance von Ilkay Gündogan und Thomas Müller vereitelte (39.), verhinderte Neuer kurz vor der Pause bei einem Kopfball von Berg einen höheren Rückstand des Favoriten.

Deutscher Dauerdruck

Nach dem Wiederanpfiff lief die Partie dann wie auf einer schiefen Ebene in Richtung schwedisches Tor. Die Deutschen erzeugten Dauerdruck und wurden dafür erstmals in der 48. Minute belohnt. Timo Werner brachte den Ball zur Mitte, der eingewechselte Mario Gomez verlängerte unfreiwillig und Reus bugsierte das Spielgerät mit dem Knie ins Tor.

Es folgten deutsche Chancen praktisch im Minutentakt: Ein Müller-Kopfball flog neben das Tor (51.), Hector konnte Olsen nicht überwinden (56.) und Reus misslang am Fünfer nach Pass von Joshua Kimmich ein Fersler-Versuch (61.).

Matchwinner Kroos

Mit Fortdauer der Partie brachten die Schweden wieder mehr Ruhe in die Partie, und bei den Deutschen begannen die Nerven zu flattern – Boateng sah in der 82. Minute nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot. In Unterzahl setzte die DFB-Auswahl zu einer letzten verzweifelten Offensive an: In der 87. Minute drehte Olsen einen Gomez-Kopfball über die Latte, in der 92. Minute landete ein Schuss von Julian Brandt an der Stange. Und dann kam die 95. Minute. Kross schlenzte einen kurz abgespielten und von Reus gestoppten Freistoß ins lange Eck.

Damit verpassten es die Skandinavier, ihren Ruf als Favoritenschreck zu untermauern. In der WM-Qualifikation ließen sie die Niederlande hinter sich, im Play-off hatte Italien das Nachsehen – Deutschland den entscheidenden Schlag zu versetzen, gelang aber nicht. (APA, 23.6.2018)

Fußball-WM in Russland – Gruppe F, 2. Runde:

Deutschland – Schweden 2:1 (0:1)
Sotschi, Fischt-Arena, 44.287, SR Marciniak (POL)

Tore:
0:1 (32.) Toivonen
1:1 (48.) Reus
2:1 (95.) Kroos

Deutschland: Neuer – Kimmich, Boateng, Rüdiger, Hector (87. Brandt) – Rudy (31. Gündogan), Kroos – Müller, Draxler (46. Gomez), Reus – Werner

Schweden: Olsen – Lustig, Lindelöf, Granqvist, Augustinsson – Claesson (74. Durmaz), Larsson, Ekdal, Forsberg – Toivonen (78. Guidetti), Berg (90. Thelin)

Gelb-Rot: Boateng (82./wiederholtes Foulspiel)

Gelbe Karten: Keine bzw. Ekdal

Stimmen:

Joachim Löw (Deutschland-Teamchef): "So wie der Sieg zustande kam, war er ein bisschen glücklich. Aber letztlich war er auch verdient, weil wir weiter an uns geglaubt haben, drangeblieben sind und nach vorne gegangen sind. Wir haben gute Moral bewiesen. So ein Fehler passiert auch einem Weltklassemann wie Kroos, ich freue mich, dass gerade er das 2:1 erzielt hat. Ich habe heute bei weitem weniger Fehlpässe gesehen als gegen Mexiko. Wir haben besser aufgebaut und sind besser ins letzte Drittel gekommen. Wir haben noch ein Spiel, das wir gewinnen müssen. Das Spiel gegen Schweden kann ein gutes Signal für uns sein. Ich hoffe, dass es uns einen Schub gibt."

Janne Andersson (Schweden-Teamchef): "Es ist schwer dieses Spiel zu analysieren. Es war sehr emotional. Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht, ein wunderschönes Tor erzielt. Wir sind so aufgetreten, wie wir das gegen ein großes Team tun müssen. Wir hätten auch einen Elfmeter bekommen können. Vielleicht wäre das ein Detail gewesen, dass uns gegen eine Weltklassemannschaft geholfen hätte. Nach der Pause erzielten sie ein schnelles Tor. Das macht es für uns natürlich schwerer. Die Hoffnung bei uns lebt weiter. Wir konzentrieren uns auf das nächste Spiel, das wir auf jeden Fall gewinnen wollen."

Marco Reus (Deutschland-Torschütze): "Wir waren die letzten 10, 15 Minuten in Unterzahl und haben trotzdem nicht aufgehört, Fußball zu spielen. Bei dieser WM sind schon sehr viele Tore in Unterzahl gefallen. Heute hatten wir das Glück auf unserer Seite. Wir haben ganz gut angefangen, Schweden hat es aber auch sehr gut gemacht. Wir mussten viel über die Seiten kommen. Auf dem Platz ist es schwer zu sagen, warum wir die Fehler machen. Toni hat den Fehler gemacht, aber auch eiskalt ausgebügelt."

Toni Kroos (Deutschland-Torschütze): "Wir haben die Phasen, in denen wir gut waren, nicht genutzt. In den ersten zehn Minuten hätten wir in Führung gehen müssen. Am Ende war der Sieg verdient. Wir wurden viel kritisiert, zum Teil auch zurecht. Man hatte den Eindruck, dass sich – auch in Deutschland – viele gefreut hätten, wenn wir schon heute rausgegangen wären. Diese Freude machen wir ihnen nicht. Das erste Tor geht auf meine Kappe. Wenn du 400 Pässe spielst, geht einer auch mal zum Gegner. Ich muss dann auch die 'Eier' haben, so eine zweite Hälfte zu spielen. Das sehen die Wenigsten. Jetzt müssen wir Südkorea schlagen."

Live-Nachlese:

Kroos rettet Deutschland in der Nachspielzeit mit Treffer zum 2:1 gegen Schweden

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