Foto: APA/AFP/GLYN KIRK

Nur noch fünf Top-Ten-Spieler im Wimbledon-Herrenbewerb

9. Juli 2018, 10:55

Nach Zverev-Aus haben "Altstars" das Sagen – Finale Federer vs. Nadal? – Bei Damen nur zwei Top-Ten-Stars im Achtelfinale

London – Die erste Woche der mit 38,57 Millionen Euro dotierten All England Championships in Wimbledon ist Geschichte, und das Feld ist ordentlich durcheinandergewürfelt worden. Bei den Herren sind nach dem Aus des als Nummer vier gesetzten Deutschen Alexander Zverev am Samstag nur noch fünf Top-Ten-Spieler im Achtelfinale dabei (Nadal, Federer, del Potro, Anderson, Isner), bei den Damen gar nur noch zwei (Pliskova, Kerber).

Die ganz großen Namen sind aber trotzdem vor dem "Super Monday" mit allen 16 Einzel-Achtelfinali noch dabei: Der achtfache Wimbledon-Champion Roger Federer und Rafael Nadal steuern ohne Satzverlust auf das "Traum-Endspiel" zu, und die nach ihrer Babypause als Nummer 25 gesetzte Serena Williams hat ihre Favoritenstellung in der ersten Woche untermauert. Zudem ist auch dem serbischen Ex-Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic wieder einiges zuzutrauen.

Federer trifft am Montag auf den Franzosen Adrian Mannarino (Nr. 22) und bei normalem Verlauf im Viertelfinale auf Kevin Anderson (RSA-8) oder Mannarinos Landsmann Gael Monfils. Nadals Montag-Gegner ist der Tscheche Jiri Vesely, dann könnte es im Viertelfinale zum Schlager gegen Juan Martin Del Potro (spielt davor gegen den Franzosen Gilles Simon) kommen. Der Weltranglisten-Vierte aus Argentinien wird über die Setzungspolitik in Wimbledon nicht erfreut sein, denn laut Ranking hätte der als Nummer fünf gesetzte Del Potro erst im Halbfinale auf Nadal treffen können.

Nicht vergessen darf man freilich auch auf Djokovic. Der als Nummer zwölf gesetzte Serbe, der nun auf den Russen Karen Chatschanow trifft, hätte im Viertelfinale entweder Kei Nishikori (JPN-24) oder Bresnik-Schützling Ernests Gulbis (LAT) zum Gegner. Er wäre "programmierter" Halbfinal-Gegner von Nadal.

Der Topfavorit ist und bleibt aber Federer, der an der Church Road auf seinen neunten Wimbledon-Titel hofft. Er hat hier nun schon 29 Sätze in Folge gewonnen. Sollte Federer die erfolgreiche Titelverteidigung und somit der 21. Major-Titel gelingen, würde er mit Martina Navratilova (ebenfalls neun Einzel-Titel) gleichziehen. Doch selbst der Triumph würde den Schweizer Superstar vorerst nicht auf die Nummer-1-Position zurückbringen, denn der Achtelfinal-Einzug von Nadal hat dem Spanier den Thron nach Wimbledon gesichert.

Zehn Jahre nach dem legendären Wimbledon-Endspiel zwischen Federer und Nadal, das als eines der größten Tennismatches der Geschichte gilt, könnte es also wieder zu diesem Duell kommen, aber Nadal wünscht sich das nicht. "Wenn ich ins Finale komme, hätte ich gerne einen leichteren Gegner. Ich bin ja nicht dumm", sorgte Nadal nach seinem Achtelfinaleinzug für Gelächter. Doch der Mallorquiner ist wie immer mit Prognosen vorsichtig, immerhin hat er seit seinem fünften Wimbledon-Finale vor sieben Jahren im "Tennis-Mekka" kein Viertelfinale mehr erreicht.

Der "Angriff" der Jungen scheint jedenfalls ein weiteres Mal abgewehrt, auch Alexander Zverev will nach seinem Fünf-Satz-Aus gegen Gulbis jetzt ein paar Tage nichts vom Tennis wissen. "Ich bin auf dem Boot in Monte Carlo", verlautete der Deutsche, dessen bisher bestes Major-Resultat das Viertelfinale in Paris bleibt. "Ich habe noch ungefähr 15 Mal Paris zu spielen, 15 Mal Wimbledon. Das wird alles noch", meinte der 21-Jährige.

Bei den Damen scheint alles für den großen Traum der Serena Williams angerichtet. Die nach ihrer Babypause samt großen Komplikationen nach der Geburt auf den Court zurückgekehrte US-Amerikanerin möchte nicht nur den achten Titel in Wimbledon, sondern damit auch den Allzeit-Rekord von Margaret Court (24 Major-Siege) egalisieren – und später nach Möglichkeit noch übertreffen.

Die Entbehrungen, die sie dafür auf sich nimmt, lässt sie die Weltöffentlichkeit via Twitter wissen: "Sie hat ihre ersten Schritte gemacht. Ich habe trainiert und es verpasst. Ich habe geweint", meinte die 36-Jährige über ihre Tochter Olympia.

Spielt ihr ihre Fitness keinen Streich, dann sollte Williams am Ende ganz oben stehen. Größte verbliebene Konkurrentinnen sind nach dem überraschenden Aus der Weltranglisten-Erste Simona Halep nun wohl Karolina Pliskova (CZE-7/WTA-8.) und Angelique Kerber (GER-11/10.). Sollte Serena Williams nicht den Titel holen, dann wird es in Wimbledon bei den Damen wieder ein neues Siegergesicht geben.

Aus österreichischer Sicht hält nach der Verletzung von Dominic Thiem gleich in der Auftaktrunde, dem Drittrunden-Aus von Überraschungsmann Dennis Novak und dem Ausscheiden des Vorjahrs-Doppelfinalisten Oliver Marach nur noch Alexander Peya die rot-weiß-rote Fahne hoch. Gemeinsam mit Nikola Mektic steht er im Doppel-Achtelfinale, mit Nicole Melichar (USA) auch im Mixed-Achtelfinale. (APA, 9.7.2018)