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Hitzfeld hätte Gündogan und Özil nicht für WM nominiert

11. Juli 2018, 11:53

Der ehemalige Bayern-Coach kritisiert den DFB für den Umgang mit den beiden Nationalspielern

Ottmar Hitzfeld hat den Deutschen Fußball-Bund (DFB) für seinen Umgang mit den Nationalspielern Mesut Özil und Ilkay Gündogan kritisiert. "Ich glaube, dass man Özil und Gündogan damit keinen Gefallen getan hat, sie mit zur WM zu nehmen, wo sie unter so gewaltigem Druck standen", sagte der frühere Meistertrainer von Bayern München und Borussia Dortmund dem "Sportbuzzer".

Stattdessen hätte man sie schützen müssen und zu Hause lassen, um danach wieder einen Neuanfang zu machen, so Hitzfeld, der in der Causa auch einen Zusammenhang mit dem deutschen Vorrunden-Aus sieht: "Die Spieler wurden ja ständig damit konfrontiert und bekommen auch mit, was geschrieben wird. Das war sicher nicht förderlich."

Für Vertragsverlängerung mit Löw

Die Entscheidung von Joachim Löw, seine Arbeit als Bundestrainer fortzusetzen, hält der 69-Jährige dagegen für richtig: "Er hat dem Standing des deutschen Fußballs in der ganzen Welt sehr viel Glanz verliehen." Löw sei der richtige Mann, um einen Umbruch herbeizuführen. Jetzt habe man die Chance, eine neue Mannschaft aufzubauen und damit in zwei Jahren den EM-Titel zu holen. Das sei auch für Löw eine riesige Motivation.

In dem Zusammenhang fordert Hitzfeld, dass Löw keine Rücksicht auf einzelne Spieler nimmt. "Er muss jetzt ein paar harte Entscheidungen treffen." Das werde für Löw aber "keine leichte Aufgabe, weil er ein gutes Verhältnis zu jedem Spieler hat".

Warnung vor langfristigen Folgen

Die frühere Bundesbeauftragte für Integration in Deutschland, Aydan Özoğuz (SPD), warnte vor langfristigen Folgen durch die erhitzten Debatten. Natürlich seien die vor der WM geschossenen Fotos mit dem türkischen Staatschef Erdoğan "für viele, die mit Sorge die Lage in der Türkei verfolgen, enttäuschend und schwer nachvollziehbar", sagte sie. Probleme und Enttäuschungen sollten klar benannt werden. "Gleichzeitig sollten wir die große Leistung unserer Gesellschaft, das Zusammenleben so vieler Menschen über Jahrzehnte erfolgreich zu gestalten, nicht verkennen."

Die Fotos hatten einen Eklat zur Folge, dessen Nachwirkungen die DFB-Elf durch die Gruppenphase des Turniers begleiteten. Nach dem Vorrunden-Aus hatten DFB-Präsident Reinhard Grindel und Teammanager Oliver Bierhoff eine öffentliche Erklärung des bislang schweigenden Özil verlangt. Auch Bierhoff kam zu dem Schluss, dass Özil und Gündogan besser zu Hause hätten bleiben sollen. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland forderte daraufhin den Rücktritt von Bierhoff und Grindel. (sid, red, 11.7.2018)