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Ronaldos Landung in Turin als Initialzündung für Transferkarussell

11. Juli 2018, 13:03

Nach dem "Jahrhunderttransfer" von CR7 zu Juventus sucht Real Madrid einen Ersatz für den Weltfußballer. Und der wird teuer

Turin – Urlauber Cristiano Ronaldo brach nach seinem 117 Millionen Euro schweren "Jahrhunderttransfer" mit einem seiner ehernen Vorsätze. CR7, seit dem Tod seines Vaters Jose im Jahr 2005 strikter Antialkoholiker, ließ sich im griechischen Feriendomizil lächelnd mit einem Glas Champagner ablichten.

Noch während der neue Superstar von Juventus Turin mit Klubboss Andrea Agnelli und seinem Agenten Jorge Mendes auf dieses "Meisterwerk" ("Gazzetto dello Sport") anstieß, zückte Florentino Perez das Scheckheft. Der Präsident von Real Madrid ist gewillt, auf der Suche nach einem "galaktischen" Nachfolger für Ronaldo tief in die Tasche zu greifen – und könnte damit ein europaweites Transferdomino auslösen.

Neymar

Das erste Objekt der Begierde: Neymar. Kein anderer Spieler kommt dem gewaltigen Werbewert von Ronaldo näher als der Brasilianer. Die spanische Sportzeitung "As" nannte Neymar "die große Obsession von Perez" und den "perfekten Ersatz, fußballerisch und vom Marketing her".

Perez buhlt seit geraumer Zeit um Neymar – und hat damit dazu beigetragen, dass Ronaldo ihn im Stile einer beleidigten Diva um seinen Abschied ersuchte. Wenn Neymar irgendwann Weltfußballer werden wolle, müsse er zu Real kommen, sagte Perez Ende 2017: "Madrid gibt einem großartigen Spieler das, was er braucht. Die ganze Welt weiß, dass ich ihn haben will."

Coutinho

Allerdings: Neymar (26), mit 222 Millionen Euro Ablöse teuerster Spieler der Geschichte, hat bei Paris St. Germain einen Vertrag bis 2022. PSG mit Neutrainer Thomas Tuchel hat mehrfach betont, ihn unter keinen Umständen gehen lassen zu wollen. Die katalanische Sportzeitung Mundo Deportivo berichtet nun jedoch, Paris habe dem FC Barcelona 270 Millionen Euro für Philippe Coutinho geboten. Als Neymar-Ersatz?

Hazard

Eine einfachere Beute für Real wäre Belgiens WM-Star Eden Hazard. Der 27-Jährige machte im Juni kein Hehl daraus, dass er "eines Tages für Real" spielen wolle. "Das weiße Trikot ist etwas Besonderes", sagte der Offensivspieler, der beim FC Chelsea bis 2020 gebunden ist. Dort würde er in der kommenden Saison aber nicht in der Champions League spielen.

Kane und Mbappe

Weniger realistisch sind Transfers von Harry Kane oder Kylian Mbappe. Kane hat erst kurz vor der WM bis 2026 bei Tottenham Hotspur verlängert. Über Mbappe (PSG, Vertrag bis 2022) sagte Perez 2017: "Er ist 18. Lasst ihn sich entwickeln ..." Das tat Mbappe mit Frankreich bei der WM vor den Augen der Fußballwelt, er gehört zu den begehrtesten Profis des Planeten.

Higuain

An der Spitze steht noch immer Ronaldo, auch mit 33 Jahren. Neben der Ablöse in Höhe von 100 Millionen Euro ließ sich Juve den vielleicht besten Stürmer der Geschichte 17 Millionen an Gebühren kosten. Mit 30 Millionen Euro verdient Ronaldo bis 2022 neun Millionen pro Jahr mehr als bisher – aber immer noch weniger als Neymar (35) oder Dauerrivale Lionel Messi (41). Das Gesamtvolumen des Transfers schätzen Experten auf 350 bis 400 Millionen, Juve müsse daher Spieler verkaufen. Ein Abgang von Gonzalo Higuain zu Chelsea steht im Raum.

Marsmensch

Turin fiebert nach dem "Jahrhunderttransfer" ("Corriere dello Sport") oder "Jahrhundertcoup" ("Tuttosport") der Landung des "Marsmenschen" ("Corriere della Sera") entgegen. Am Montag soll Ronaldo im Piemont erscheinen. Dort erwarten ihn neben den Tifosi, die ihn bereits nach seinem Traumtor im jüngsten Viertelfinale der Champions League gegen Juve gefeiert hatten, auch seine neuen Kollegen sehnsüchtig.

"Cristiano, wir haben zusammen großartige Momente in Madrid erlebt. Ich habe große Lust, wieder mit Dir zu arbeiten", schrieb Sami Khedira. Emre Can meinte, es sei "fantastisch, mit Ronaldo zusammen zu spielen".

Und Ronaldo? Die neun Jahre in Madrid "waren wohl die glücklichsten meines Lebens", sagte er. Doch jetzt sei es Zeit für "einen neuen Abschnitt". Prost! (sid, 11.7.2018)

Auszüge des offenen Briefs von Ronaldo an die Real-Fans:

"Die Jahre bei Real Madrid und in der Stadt Madrid waren möglicherweise die glücklichsten in meinem Leben.

Ich empfinde größte Dankbarkeit dem Klub, den Fans und der Stadt gegenüber. Ich kann nur allen Dank sagen für die Liebe und die Zuneigung, die man mir entgegengebracht hat.

Dennoch glaube ich, dass der Moment gekommen ist, eine neue Etappe in meinem Leben einzuleiten. Daher habe ich den Klub gebeten, meinen Transfer zu akzeptieren. So empfinde ich es, und ich bitte alle, ganz besonders unsere Anhänger, mich bitte zu verstehen. (...)

Auf dem Platz und in den Kabinen habe ich wunderbare Teamkameraden gehabt, ich habe die unglaubliche Warmherzigkeit der Fans verspürt, und zusammen haben wir drei Champions-League-Titel in Folge und vier in fünf Jahren gewonnen. Zusammen mit ihnen konnte ich mich, auf individueller Ebene, darüber freuen, vier Goldene Bälle und drei Goldene Schuhe gewonnen zu haben. (...)

Ich habe viel nachgedacht und weiß, dass der Moment für einen neuen Zyklus gekommen ist. Ich gehe weg, aber dieses Trikot, dieses Wappen und das Santiago-Bernabeu-Stadion werde ich immer, egal, wo ich sein werde, als etwas empfinden, das zu mir gehört.

Dank an alle, und natürlich, wie ich schon vor neun Jahren bei meinem ersten Auftritt in unserem Stadion sagte: Hala Madrid! (Vorwärts, Madrid!)"

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