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Kroatien ist Frankreichs Gegner im WM-Finale

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11. Juli 2018, 23:12

Mit einem letztlich verdienten Sieg über England, das länger als 52 Jahre auf seinen zweiten WM-Titel warten muss, erreichen die Kroaten ihr erstes Finale. Mandzukic traf in der Verlängerung entscheidend

Moskau – Wer geht am Sonntag in Moskau um 17 Uhr als Außenseiter ins WM-Finale gegen Frankreich? Das war die Frage am Mittwochabend. Die Antwort ist Kroatien. Die "Feurigen" haben sich mit einem 2:1 nach Verlängerung gegen England zum ersten Mal in ein WM-Finale gespielt, das stellt den dritten Platz von 1998 in den Schatten. Die Engländer verlängern ihre 52 Jahre Schmerz, so lange warten sie auf einen zweiten Titel, so lange warten sie auf einen zweiten Finaleinzug.

Kroatischer Jubel auf der Ottakringer Straße in Wien.
der standard

Flotte Führung für die Löwen

England startete vor mehr als 78.000 Zusehern im Moskauer Luschniki-Stadion nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit dem 1:0. Es war das 159. Tor dieser WM und das 70. nach einem ruhenden Ball. Kroatiens Kapitän Luka Modric hatte Dele Alli knapp außerhalb des Strafraums zu Fall gebracht, Kieran Trippier von Tottenham nützte den Freistoß zu seinem ersten Teamtor, Kroatiens Goalie Danijel Subasic hatte das Nachsehen (5.). Natürlich half die frühe Führung der Truppe von Gareth Southgate, sie konnte sich noch mehr auf ihren Plan konzentrieren – Safety first. Und vorne wird schon etwas gehen, vorne wartet ja Harry Kane.

Der Plan ging zumindest vor der Pause zumindest teilweise auf. Die Abwehr der Three Lions stand sicher, den Kroaten fiel wenig ein. Abgesehen von zwei Weitschüssen des starken Inter-Mailand-Legionärs Ivan Perisic, die ihr Ziel relativ klar verfehlten, gab’s erst in der 45. Minute eine kroatische Halbchance, die Barcelona-Star Ivan Rakitic vertändelte. Nicht dass zuvor die Engländer rasend viele Chancen vorgefunden hätten, eine aber doch. Da scheiterte Kane an Subasic und an der Stange. Das Videostudium darüber, ob Kane tatsächlich im Abseits stand, wurde hinfällig.

Ausgleich und Umschwung

Die Kroaten gaben den Engländern das Gefühl, nicht mehr tun zu müssen fürs Spiel, und die Engländer nahmen es den Kroaten ab. Diese hatten schließlich – gegen Dänemark und Russland – zwei verlängerte Partien samt Elfmeterschießen in den Beinen. Doch England täuschte sich, Kroatien bekam die zweite Luft. Von Modric und Rakitic war über weite Phasen wenig zu sehen, Perisic und Ante Rebic von Eintracht Frankfurt sprangen in die Bresche. In der 65. Minute vergab Perisic noch, wenig später aber netzte er. Sime Vrsaljko von Atletico Madrid hatte von rechts geflankt, Perisic schmummelte sich durch die Verteidigung und traf volley zum Ausgleich (68.). Es war erst das fünfte Tor, das England bei dieser WM kassierte, das zweite aus dem Spiel heraus.

Plötzlich marschierten die Kroaten, auch mit leichter Unterstützung des türkischen Schiedsrichters Cüneyt Cakir, der ihnen doch einiges durchgehen ließ, Nur vier Minuten nach dem 1:1 vergab Perisic, schon wieder Perisic, die Chance aufs 2:1, er traf die Stange, den Abpraller lupfte Rebic in die Hände von Goalie Jordan Pickford. Der stand ungewollt immer mehr im Zentrum des Geschehens, hatte auch bei einem Schuss von Juve-Stürmer Mario Mandzukic etwas Mühe (84.).

Mit der ruhigen Kugel, die Englands Abwehr vor der Pause geschoben hatte, war es vorbei. Jetzt ließen die Kroaten den Ball laufen, die Engländer wurden nervös, hinderten sich durch Abspielfehler selbst am Spielaufbau.

Mario Mandzukic schoss die kroatische Mannschaft mit seinem 2:1 ins Endspiel.
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Kroatien ermüdet doch nicht

Die Verlängerung geriet zum Spiegelbild der regulären Spielzeit. Zunächst hatte England mehr zu bieten, nämlich vor allem einen Kopfball von John Stones, bei dem Vrsaljko ebenfalls per Kopf vor der Linie klärte. Goalie Subasic wäre schon geschlagen gewesen. Dann aber war wieder Kroatien am Drücker – und das in seiner dritten Verlängerung hintereinander. Mandzukic scheiterte zunächst noch an Pickford, doch in der 109. Minute war es so weit. Englands Abwehr brachte den Ball nicht weg, Perisic köpfelte hoch Richtung Fünfer, Mandzukic löste sich und schoss ins lange Eck – 2:1.

England hat schon am Samstag im Spiel um Platz drei gegen Belgien anzutreten. You never know, aber Belgien ist Favorit. Kroatiens Teamchef Zlatko Dalic hätte "vor der WM die Bronzemedaille genommen, wenn sie mir jemand angeboten hätte". Er nimmt sie nicht. Er will Gold. (Fritz Neumann, 11.7.2018)

WM in Russland, Halbfinale, Mittwoch

Kroatien – England 2:1 n. V. (1:0, 1:1, 1:1)
Moskau, Luschniki-Stadion, 78.011 Zuschauer, SR Cakir (TUR)

Torfolge:
0:1 (5.) Trippier (Freistoß)
1:1 (68.) Perisic
2:1 (109.) Mandzukic

Kroatien: Subasic – Vrsaljko, Lovren, Vida, Strinic (95. Pivaric) – Brozovic, Rakitic – Rebic (101. Kramaric), Modric (119. Badelj), Perisic – Mandzukic (115. Corluka)

England: Pickford – Walker (112. Vardy), Stones, Maguire – Trippier, Lingard, Henderson (97. Dier), Alli, Young (90. Rose) – Sterling (74. Rashford), Kane

Gelbe Karten: Mandzukic, Rebic bzw. Walker

Stimmen:

Zlatko Dalic (Trainer Kroatien): "Wir sind im Finale, und das verdient. Meine Jungs sind nicht normal. Sie haben fantastisch gespielt und gekämpft. Das wird für immer Teil der Geschichte sein. Ich danke allen unseren Fans in aller Welt. Sie sollen sich freuen und feiern. Wir gehen einen Schritt nach dem anderen. Wir sind jetzt im Finale. Wenn Gott will, werden wir jetzt Weltmeister."

Mario Mandzukic (Torschütze Kroatien): "Es ist unglaublich, uns ist nicht bewusst, was wir hier geschafft haben. Aber es ist kein Wunder, wir haben das verdient. Nur große Mannschaften schaffen es, nach einem Rückstand so zurückzukommen. Wir haben wie Löwen gekämpft, so wird es auch im Finale sein."

Harry Kane (Kapitän England): "Es ist hart und tut weh. Wir haben so hart gearbeitet. Es war ein hartes Spiel, ein 50:50-Spiel. Wenn wir zurückblicken, denke ich, dass es Dinge gibt, die wir hätten besser machen können. Es tut weh, es tut wirklich weh, und das wird es für lange Zeit. Wir hatten eine fantastische Reise, weiter, als wir gedacht hätten."

Tickernachlese:

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