EU-Milliardenstrafe gegen Google: Ein bitterer Beigeschmack

Kommentar |
18. Juli 2018, 17:38

Es ist längst nicht sicher, ob die verhängte Rekordstrafe wirklich im Interesse der Nutzer ist

Glaubt man Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, hat die EU gerade einen entscheidenden Sieg gegen eines der dominantesten Unternehmen unserer Zeit errungen. Doch während unbestritten ist, dass die verhängte Rekordstrafe in der Höhe von 4,34 Milliarden Euro dem EU-Budget guttun wird, so ist längst nicht sicher, ob all dies wirklich im Interesse der Nutzer ist.

Der Umstand, dass Android Open Source ist, der Quellcode also kostenlos verfügbar ist und nach Belieben angepasst werden kann, hat dem Unternehmen nämlich erst einen Teil der Probleme eingebracht. Hätte Google schlicht ein geschlossenes Entwicklungsmodell gewählt, wie es etwa Microsoft oder Apple tun, müssten die diversen Hardwarehersteller direkt übernehmen, was sie vorgesetzt bekommen. Insofern hat es eine gewisse Ironie, dass ausgerechnet jene Offenheit, die erst die große Vielfalt unterschiedlicher Hersteller rund um Android ermöglicht hat, dem Softwarehersteller jetzt auf den Kopf fällt.

Mit dem Urteil senden die Wettbewerbshüter also nicht zuletzt das Signal aus, dass es sicherer ist, bei klassischen Geschäftsmodellen zu bleiben – und neue Monetarisierungsstrategien rund um Open Source zusätzliche Risiken bergen. Bleibt zu hoffen, dass sich Google trotzdem dagegen entscheidet, die Android-Entwicklung abzuschotten. Dies würde unweigerlich zu einem reduzierten Wettbewerb und höheren Preisen führen – das, was die EU verhindern will. (Andreas Proschofsky, 18.7.2018)

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