Foto: Reuters/Ruvic

Nach EU-Strafe: Android könnte kostenpflichtig werden

19. Juli 2018, 10:32

Nutzungsgebühren für Hersteller könnten Geräte teurer machen – Google-CEO Sundar Pichai kritisiert Entscheidung

IT-Riese Google warnt nach der Verhängung der Rekordstrafe von 4,34 Milliarden Euro durch die EU-Kommission, dass sein mobiles Betriebssystem Android in Zukunft nicht mehr kostenlos sein könnte. Firmenchef Sundar Pichai verteidigt das eigene Geschäftsmodell. Hersteller, die für ihre Geräte Zugang zum offiziellen Android-App-Store haben wollen, müssen diese zertifizieren lassen und mehrere Google-Apps vorinstallieren. Zudem bietet der Konzern finanzielle Anreize für die Einrichtung von Google als Standard-Suchmaschine, die über Werbung ebenfalls Geld in seine Kassen spült.

"Beunruhigendes Signal für offene Plattformen"

Der typische Android-Nutzer würde laut Pichai ohnehin "um die 50 Apps installieren" und könne vorinstallierte Anwendungen selbst entfernen. Google verdient an der Werbung in Apps und den Umsätzen durch App-Verkäufe in diesem Play Store mit und bietet zudem auch verschiedene webbasierte Services an. Sollten die hauseigenen Apps nun nicht mehr vorinstalliert werden dürfen, könnte dies das Android-Ökosystem schädigen. Die Entscheidung sei ein "beunruhigendes Signal für offene Plattformen gegenüber proprietären Systemen", schreibt Pichai.

Teurere Handys möglich

Die Kommission stört sich an den Auflagen von Google an seine Partner und sieht darin eine unerlaubte Ausdehnung seiner Marktmacht. Android hat am globalen Smartphone-Markt einen Anteil von 80 Prozent. Android ist quelloffen, der Code ist für jeden zugänglich. Hersteller können ihn kostenlos verwenden. Sollten die Auflagen das Geschäftsmodell gefährden, könnte sich dies allerdings ändern. Damit würden Smartphones wohl teurer werden, da die Kosten von den Herstellern, die oft mit niedrigen Margen operieren, an die Kunden weitergegeben werden dürften.

90 Tage Zeit

Google wurde eine 90-tägige Frist gegeben, um die beanstandeten Punkte auszuräumen. Andernfalls droht eine tägliche Strafe in Höhe von fünf Prozent des Tagesumsatzes von Mutterkonzern Alphabet. Konkrete Vorschläge für Lösungen hat die EU-Kommission nicht vorgebracht. Denkbar wären etwa Auswahldialoge für Suchmaschine und Browser beim Einrichten eines neuen Geräts mit Android.

Trump mit scharfer Kritik

Google will Berufung gegen die Entscheidung einlegen. US-Präsident Donald Trump hat die Milliardenstrafe in einer ersten Reaktion scharf kritisiert. (gpi)

(red, 19.7.2018)