, Birgit Baumann

ARD-Doku über Hitlers Linz: Revue des Schreckens

Die Filmemacher Daniel und Jürgen Ast sind tief in die Archive hinabgestiegen, haben papierene Zeugnisse sowie Modelle des Größenwahns ausgegraben

Adolf Hitler auf dem Rathausbalkon in Linz, 12. März 1938

foto: rbb/archiv der stadt linz

Reiterstandfigur Siegfried auf der Nibelungenbrücke in Linz

foto: rbb/archiv der stadt linz

Man glaubt ja nicht, was in Berlin jemand zu hören bekommt, der aus Linz stammt. Kenn ick nicht. Wo isn dit? Manche erzählen, dort schon im Wanderurlaub gewesen zu sein, meinen aber Lienz in Osttirol.

Sie alle dürften ziemlich staunen, wenn sie am Montag bis 23.30 Uhr durchhalten, um in der ARD eine neue Folge aus der Reihe Geheimnisvolle Orte anzusehen. Gezeigt wird Hitlers Linz, oder besser gesagt: Präsentiert werden natürlich bloß die Pläne. Denn mit der "Welthauptstadt Germania" an der Donau wurde es ja Gott sei Dank nichts. Man weiß das in Österreich, in Linz sowieso, aber in Deutschland ist es weniger bekannt.

Doch diese Revue des Schreckens noch einmal vorgelegt zu bekommen lohnt sich auch für österreichische Zuseher und Zuseherinnen. "Adolf-Hitler-Schule", "Kraft-durch-Freude-Halle", ein "Gauforum" in gigantischem Ausmaß wären geplant gewesen, wenn alles nach Plan verlaufen wäre.

Die Filmemacher Daniel und Jürgen Ast sind tief in die Archive hinabgestiegen, haben papierene Zeugnisse sowie Modelle des Größenwahns ausgegraben und lassen diesen für kurze Zeit sichtbar werden.

Man erfährt auch, warum Hitlers Leidenschaft ausgerechnet Linz galt – er hat dort seine Jugend verbracht, ging dort zur Schule, kam mit Wagners Musik in Berührung, während er in Wien scheiterte.

Herausgekommen ist eine sehenswerte Dokumentation mit vielen Originalaufnahmen und Einschätzungen von Historikern. Allerdings kommt ein Aspekt leider zu kurz: Wie die "Patenstadt des Führers" nach 1945 mit seiner Hypothek umgegangen ist, wäre durchaus noch ein paar tiefere Blicke wert gewesen. (Birgit Baumann, 22.7.2018)

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