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Ist Trump für den Wirtschaftsboom in den USA verantwortlich?

9. August 2018, 12:59

Die US-Wirtschaft wächst so stark wie lange nicht mehr. Präsident Trump sieht das als sein Verdienst. Was dafür spricht, was dagegen

Mitten im Handelskonflikt zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Rest der Welt kam die Meldung: Das Wirtschaftswachstum in den USA verdoppelte sich im zweiten Quartal 2018. Mit knapp über vier Prozent lief der amerikanische Konjunkturmotor so schnell wie zuletzt vor der Finanzkrise. Für Trump war das Wasser auf seine Mühlen. Seine Kritiker hatten angesichts der protektionistischen Politik vor einem Einbruch gewarnt.

Das waren Fake-News, findet Trump. Seit seinem Amtsantritt habe er Unternehmen von zu hohen Steuern und zu strengen Regulierungen befreit. Außerdem habe sich das harte Vorgehen mit Zöllen gegen Freund und Feind ausgezahlt.

Die politische Message vor den Kongresswahlen ist klar. Trump hat Amerika wieder "great" gemacht. Die Wahlplakate für seine eigene Wiederwahl mit "Keep America Great" sind bereits bestellt. Ob sie in zwei Jahren glaubwürdig erscheinen, steht aber noch in den Konjunktursternen. Experten streiten, wie viel vom großen Aufschwung auf Trumps Politik zurückzuführen ist. Und, vielleicht noch wichtiger: Sind die positiven Impulse nachhaltig?

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FÜR: Entfesselte Unternehmen

Eine Billion Dollar ist Apple seit Donnerstag wert. Seit Anfang 2017, als Donald Trump frisch im Amt war, haben die 500 größten US-Konzerne über ein Viertel an Marktwert gewonnen. Allein im vergangenen Quartal sind die realen Gewinne in diesem Ausmaß gestiegen.

Nicht einmal der US-Präsident heftet sich den gesamten Börsenboom an seine Fahne. Doch unbestritten ist: Trumps Steuerreform vom Dezember 2017 hat Firmen massiv geholfen. Dabei wurde die Gewinnsteuer von 35 auf 21 Prozent gekürzt. Gleichzeitig greift der Fiskus auf Profite zu, die US-Multis im Ausland parken, aber zum Discount von gut 15 Prozent dürfen sie ihren über drei Billionen Dollar schweren Schatz in die USA holen. Viele nutzen die Gelegenheit, gleichzeitig kündigten die Großkonzerne milliardenschwere Aktienrückkaufprogramme an. Das Steuerkomitee im Kongress schätzt die Entlastung für Unternehmen auf 330 Milliarden Dollar.

Die Ökonomen Benn Steil and Benjamin Della Rocca vom Council of Foreign Relations, einem US-Thinktank, haben den Effekt der Steuerreform auf die Börsen in einer Studie klar festgestellt. Die US-Märkte haben dank Trump die Kursentwicklung in anderen Industrieländern um 0,3 Prozent ausgestochen. Davor sei Trumps Wirkung auf die Märkte jedoch gleich null gewesen.

Börsenboom und Realwirtschaft

Der Börsenboom überträgt sich auch auf die Realwirtschaft. Unternehmen können dank höherer Profite mehr Rücklagen bilden und Investitionen finanzieren. Die höheren Ausschüttungen stärken zudem den Konsum.

Trump greift der Wirtschaft aber auch unter die Arme, indem er Regulierungen des Bankensektors gelockert hat. Das fördert die Kreditvergabe.

Neben den Entlastungen für Unternehmen will Trump die Staatsausgaben hochfahren. Im März hat der Kongress ein 1,3 Milliarden Dollar schweres Ausgabenprogramm verabschiedet. Die Staatsverschuldung soll bis 2023 auf 117 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. Auch das generiert Wachstum, aber nur auf Pump.

Und schließlich haben sogar die Zölle in einigen Branchen Impulse gesetzt. Die geschützte Stahlindustrie hat von höheren Preisen profitiert. In anderen Sektoren, etwa bei Soja, haben angekündigte Gegenzölle zu Hamsterkäufen geführt, die Exporte ankurbelten.

Wie effektiv die Politik unter dem Strich auch sein mag, so viele staatliche Impulse hat es zu Zeiten der Hochkonjunktur selten gegeben. Ein Spiel mit dem Feuer, finden Ökonomen. Aber der Boom trägt deutlich den Stempel Trumps.

WIDER: Nur ein Surfer auf Konjunkturwelle

Alles Gute beschert die Politik, alles Schlechte ist höhere Macht. Nach diesem Prinzip haben Regierungen von jeher Wirtschaftsaufschwünge für sich reklamiert. Donald Trump hat nach guten Wachstumszahlen im jüngsten Quartal sogar seine protektionistische Zollpolitik für den Boom mitverantwortlich gemacht, trotz massiver Ablehnung seitens der Unternehmervertreter, von Ökonomen und seiner eigenen Partei. Und obwohl er selbst eingesteht, dass der Protektionismus Mittel zum Zweck sei, um andere Länder zu Zugeständnissen zu zwingen, die sich letztlich rentieren. Das ist bis dato noch nicht geschehen. Dafür haben US-Farmer bereits Subventionen zugesprochen bekommen, weil ihnen wichtige Auslandsmärkte wie China der Reihe nach durch Gegenzölle verriegelt werden. Wie sich in der Vergangenheit gezeigt hat, dauert es viele Monate, bis höhere Zölle ihre volle Wirkung auf Handel und Preise entfalten.

Den größten Konjunkturhebel sehen Experten in Trumps Steuerreform. Tatsächlich hat eine Analyse des Tax Policy Center ergeben, dass die Erleichterungen für Unternehmen im laufenden Jahr 0,7 Prozent zur US-Wirtschaftsleistung beisteuern. Das ist nur ein kleiner Beitrag zum gegenwärtigen Boom.

Aufschwung startete vor Trump

Der Aufschwung hat schon viele Jahre vor Trump begonnen. Im ersten Quartal 2015 ist die US-Wirtschaft auch mit einer Rate von rund vier Prozent gewachsen. Ökonomen betonen, dass die tiefe Krise auch einen längeren Aufschwung hervorbringen kann als der übliche Konjunkturzyklus. Das starke Wachstum ist außerdem ein globales Phänomen.

Fraglich ist, ob Trumps Wirtschaftspolitik nachhaltig ist. Die Steuerreform ist ein einmaliges Ereignis, das die Staatsfinanzen derart belastet, dass für künftige Konjunkturpakete wenig Spielraum bleibt.

Besorgniserregend sind die seit Anfang 2014 sinkenden Auslandsinvestitionen. Firmen investieren in neue Fabriken und Anlagen, wenn sie längerfristig Renditen erwarten. Auch US-Firmen verwenden ihre Rekordprofite vor allem für Ausschüttungen. Vom "Trickle-down"-Effekt fehlt auch jede Spur. Das versprochene Wachstum bei den Reallöhnen bleibt Trump nämlich schuldig. Das ist verständlich, denn sein Einfluss auf die Wirtschaft ist beschränkt. Hinter den schleppenden Reallöhnen steckt die gute Beschäftigungslage, die mehr Konkurrenz am Arbeitsmarkt schafft. Außerdem nagt der steigende Ölpreis an den Einkommen. Für beides kann Trump so viel wie für den Aufschwung. Wenig. (Leopold Stefan, 9.8.2018)

Das Wachstum der USA im Überblick