Foto: Alexander Zech

Wandertheater mit Auferstehung eines hingerichteten Mordsweibs

23. August 2018, 09:00

Das Theaterfink befasst sich mit Wiener Kriminalfällen und bezieht dabei jeweils die Orte des Geschehens mit ein, diesmal erzählt die 1809 erhängte Theresia K.

Tote kehren gern auf die Erde zurück. Auch die Wienerin Theresia Kandl will sich nach ihrer Hinrichtung 1809 nicht mit dem ewigen Off begnügen. Die als 23-Jährige wegen Mordes an ihrem Gatten bei der Steinsäule Spinnerin am Kreuz in Favoriten öffentlich erhängte Frau hat noch etwas zu erzählen. Das Theaterfink ermöglicht es ihr. Das von Susita Fink und Karin Sedlak gegründete Wandertheater befasst sich seit einigen Jahren mit spannenden Wiener Kriminalfällen und bezieht dabei jeweils die Orte des Geschehens mit ein.

2013 musste bereits die Oma der Familie Stadelmann aus Kaisers Zeiten in Erdberg daran glauben. Dem Fälscher Peter Ritter von Bohr ging es 2016 in Liesing an den Kragen. Theresia Kandls Exodus folgte 2017. Letztere kehrt jetzt wieder. Auferstehung der hingerichteten Theresia K** oder Das Mordsweib vom Hunglbrunn heißt die neue Folge der Wandertheaterserie.

Keine stereotype Frauenrollen

Die putzmuntere Untote hilft nun dabei, eine aktuelle Mordserie an Frauen aufzuklären. Was die Toten eint: Sie alle haben sich nicht in stereotype Frauenrollen drängen lassen. Ihre Leichname tragen tätowiert die Namen wichtiger Frauenrechtlerinnen. Darunter etwa Olympe de Gouges, die französische Revolutionärin, die die Erklärung der Menschenrechte anno 1789 gern auch auf für den weiblichen Teil der Bevölkerung beansprucht hätte und guillotiniert wurde. Da passt es bestens, dass wir heuer 100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich "feiern".

Besonders am Stationentheater des Theaterfink ist die actionreiche Puppentheaterkunst, getragen von den Moritatenklängen u. a. Ernst Moldens. Beide Teile zu Theresia Kandl sind derzeit unabhängig voneinander zu sehen. Treffpunkt zu Teil zwei ist beim Kleinkunstcafé Genuss Spiegel in Atzgersdorf. (afze, 23.8.2018)

Bis 22. 9., Theaterfink