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West-Nil-Fieber breitet sich zunehmend in Europa aus

25. August 2018, 13:00

Laut WHO ist die Zahl der Neuinfektionen stark angestiegen. Besonders betroffen sind Serbien, Italien und Griechenland

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Zahlen veröffentlicht, die beunruhigen: In Teilen Europas erkranken immer mehr Menschen am West-Nil-Fieber. Bis Mitte August wurden aus europäischen Ländern 401 Infektionen gemeldet. Am stärksten betroffen sind Serbien, Italien, Griechenland, Ungarn und Rumänien.

Als Hauptgrund sehen Experten den jahreszeitlich frühen Anstieg der Temperaturen in vielen Teilen Europas, begleitet von Regenschauern: ein ideales Wetter für die Vermehrung von Stechmücken. Denn die Infektion erfolgt durch Blutsauger der Art Culex pipiens, auch Gelse genannt.

Auch die Gattungen Aedes oder Mansonia sind Überträger der Krankheit, die in rund 80 Prozent der Fälle symptomlos verläuft. Etwa 20 Prozent der Patienten leiden an plötzlich einsetzenden Beschwerden, die einer Grippe ähneln – dazu zählen Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Kopf- und Rückenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder das Anschwellen von Lymphknoten. Etwa ein Drittel der Patienten bekommt einen Hautausschlag an Brust, Rücken und Armen. Relativ selten sind Hirnhautentzündungen, im schlimmsten Fall verläuft die Krankheit tödlich.

Serbien am stärksten betroffen

In Europa ist am stärksten Serbien betroffen: Bis zum 21. August wurden insgesamt 159 Infektionen registriert, die Hälfte von ihnen in Belgrad, berichtete der TV-Sender N1 unter Berufung auf amtliche Angaben. In 15 Fällen verlief die Krankheit tödlich.

Das West-Nil-Fieber wurde in Serbien zum ersten Mal im Juli 2012 nachgewiesen. Bis Ende 2017 zählten die Behörden 574 Erkrankungen und 61 Todesopfer. Beim ersten Todesopfer dieses Jahres, Mitte Juli, handelte es sich um einen 84-jährigen Mann aus Novi Sad.

Elf Tote in Griechenland

In Griechenland sind in diesem Jahr elf Menschen am West-Nil-Fieber gestorben. Mindestens 96 weitere Menschen erkrankten, die meisten auf der Halbinsel Peloponnes und in den ländlichen Regionen im Osten Athens. Das teilte die zuständige Behörde des Gesundheitsministeriums (KEELPNO) mit.

Die Zahl der Infizierten liegt mit Sicherheit höher, da die meisten Erkrankten keine oder nur harmlose Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen aufweisen. Den Einwohnern wurde geraten, Insektenschutzmittel zu benutzen.

In Israel doppelt so viele Fälle wie im Vorjahr

In Israel sind zwei Menschen am West-Nil-Fieber gestorben. Die Betroffenen seien 85 und 75 Jahre alt gewesen und hätten beide eine medizinische Vorgeschichte gehabt, bestätigte das Gesundheitsministerium am Freitag. 68 Menschen seien zudem erkrankt, die meisten davon ältere Personen. Laut Medienberichten sei der Gesundheitszustand von 14 Patienten besorgniserregend.

Wie die "Times of Israel" schreibt, ist die Zahl der bisher gemeldeten Erkrankten doppelt so hoch wie im vergangenen Jahr. Es wurden in mehreren Küstengebieten Mücken mit dem Virus gefunden.

Geringes Erkrankungsrisiko in Österreich

Der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) zufolge sei "das Risiko, sich in Österreich anzustecken und an West-Nil-Fieber zu erkranken, derzeit noch sehr gering". Hierzulande wurden zwischen 2009 und 23. August 2018 insgesamt 29 nichtimportierte Erkrankungsfälle bestätigt, am häufigsten in Wien und Niederösterreich. Todesfälle gab es bisher noch nicht.

In Summe konnten seit 2009 in Österreich 34 West-Nil-Virus-Infektionen nachgewiesen werden, fünf davon waren importiert (vier aus Serbien, einer aus Bosnien-Herzegowina). Virologen gehen davon aus, dass sich die Anzahl der Ansteckungen in diesem Jahr etwa auf dem Niveau von 2017 bewegen wird. Laut dem Zentrum für Virologie der Med-Uni Wien sind heuer bislang fünf neue Fälle gemeldet worden, im Vorjahr waren es sieben.

Virus breitet sich aus

Das West-Nil-Virus wurde erstmals 1937 in Uganda isoliert, bis 1999 kam es nur in Afrika, Teilen Asiens und Südeuropas vor. Mittlerweile ist es in ganz Amerika, zunehmend auch in Mitteleuropa verbreitet. Das natürliche Reservoir des Virus sind Vögel. Auf den Menschen wird der Erreger durch Stechmücken übertragen. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis 14 Tage. Dies entspricht der Zeit zwischen der Ansteckung mit dem Erreger und dem Ausbruch der West-Nil-Fieber-Symptome. (gueb, APA, 25.8.2018)