Warum EZB-Chef Draghi mit Zinserhöhungen zögert

13. September 2018, 16:10

Die Notenbank legt sich nur auf eines fest: Die monatlichen Anleihenkäufe werden ab Oktober auf 15 Milliarden Euro halbiert

Wien – "Whatever it takes!" In der Krise zeigte sich EZB-Chef Mario Draghi entschlossen und hemdsärmelig, als im Sommer 2012 der Zusammenhalt der Eurozone wegen unhaltbar hoher Renditen für italienische und spanische Staatspapiere am seidenen Faden hing. Ebenso, als er in weiterer Folge den Leitzins auf null drückte und billionenschwere Anleihenkäufe installierte. Wesentlich zaghafter geht der Italiener vor, wenn es in die andere Richtung geht. Details über das Ende der Nullzinsphase blieb er auch am Donnerstag nach der Zinsentscheidung seines Hauses schuldig.

Vielleicht ein Erbe seines Vorgängers Jean-Claude Trichet, der sich gegen Ende der Amtszeit gehörig die Finger verbrannt hatte. Im Frühjahr 2011 erhöhte er den Leitzins in zwei Schritten von einem auf 1,5 Prozent, was umgehend wieder rückgängig gemacht werden musste. Ein Fehler, den Draghi offenbar keinesfalls wiederholen will: Der nullprozentige Leitzins werde "zumindest über den Sommer 2019 hinaus" bleiben, kündigte Draghi an. Der Strafzins für Bankeinlagen von minus 0,4 Prozent bleibt vorerst ebenfalls unangetastet.

Eurozone auf Kurs

Grundsätzlich sieht Draghi die Eurozone wirtschaftlich auf Kurs und attestiert ihr ein andauerndes, breit angelegtes Wachstum. Genug, um ab Oktober die monatlichen Anleihenkäufe der EZB auf 15 Milliarden Euro zu halbieren. Für das endgültige Ende des Programms, das er für Ende Dezember "erwartet", ließ sich der EZB-Chef aber doch noch ein verbales Hintertürchen offen.

Sollte das Programm tatsächlich dieses Jahr enden, wird die Notenbank bis dahin insgesamt 2,55 Billionen Euro an Schuldverschreibungen erworben haben. Da diese Anleihen nach der Tilgung reinvestiert werden, wird die EZB weiter als Käufer auftreten, wenngleich in stark reduziertem Umfang. Rund 180 Milliarden Euro an Anleihen wird sie auf diese Weise 2019 voraussichtlich erwerben.

Den Einwand einer Journalistin, dass Italien nach dem Auslaufen des Kaufprogramms im nächsten Jahr alleine den "Attacken der Finanzmärkte" ausgesetzt sei, schmetterte Draghi mit dem Hinweis ab, dass die EZB der Preisstabilität und nicht der Finanzierungsfähigkeit einzelner Mitgliedsstaaten verpflichtet sei. Auch das hat sich im Sommer 2012 noch anders angehört. (aha, 13.9.2018)