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Mit Glyphosat behandelte Futtermittel landen tonnenweise in Europa

28. September 2018, 13:37

Argentinische Experten warnten in Wien vor der Zunahme schwerer Krankheiten

Wien/Brüssel – Dreißig Millionen Tonnen Gen-Soja landen jedes Jahr zur Fütterung in der Viehzucht in der EU. Eine halbe Million Tonnen wird von Österreich importiert, "das ja scheinbar gentechnikfrei ist", merkte der Grüne EU-Abgeordnete Thomas Waitz am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien an. Ein weiteres Problem: Diese Futtermittel wurden resistent gegen Pestizide gemacht und oft mit Glyphosat behandelt.

Pestizide finden sich in Argentinien mittlerweile in Flüssen, im Trinkwasser, in Regen, Luft und Nahrung, und im Blut der Menschen, sagte der argentinische Menschenrechtsanwalt Juan Ignacio Pereyra Queles. Die Häufigkeit von Krebs, Fehl- und Missgeburten hat sich in den dortigen Anbauregionen innerhalb von zehn Jahren praktisch verdoppelt. Über diese "dramatischen Zahlen" sei am Donnerstag das österreichische Landwirtschafts- und Gesundheitsministerium informiert worden.

Geheimhaltung

Studien der Industrie mit "statistisch signifikanten Tumorbefunden" wurden geheim gehalten, kritisierte Helmut Burtscher-Schaden von Global 2000 bei der Pressekonferenz. Die von der Naturschutzorganisation mitorganisierte Europäische Bürgerinitiative "Stop Glyphosat" hatte unter anderem eine Offenlegung aller Forschungsergebnisse gefordert. Das ist nun ein Element eines Gesetzesvorschlags, der aktuell von EU-Politikern ausgearbeitet wird, erläuterte der Umweltchemiker.

Waitz verlangte ebenfalls mehr Transparenz und, "dass die Industrie Studien, die für sie schlecht ausfallen, nicht einfach im Mistkübel verschwinden lassen kann". Er setze sich gemeinsam mit der SPÖ-Europaabgeordneten Karin Kadenbach für eine "bessere Durchleuchtung" der Zulassungsverfahren in der EU ein. "Wir wollen zum frühestmöglichen Zeitpunkt die Möglichkeit haben, dass unabhängige Wissenschafter Einsicht in die Studien haben", fügte Kadenbach hinzu. Bemühungen um mehr Transparenz würden jedoch im Moment von den Konservativen zurückgedrängt.

Unklare Formulierungen

Global 2000 forderte noch Nachschärfungen bei unklaren Formulierungen im Gesetzesvorschlag. "Die neue Transparenzregelung innerhalb des Lebensmittelgesetzes sollte noch bis November im Parlament durch sein", sagte Kadenbach. Die informellen Gespräche mit dem Rat seien für Dezember geplant. "Wenn alles passt sollten wir im Frühjahr 2019 hier zu einem Gesetzesvorschlag kommen, der dann auch die Zustimmung des Parlaments findet." Bei der Veränderung des Zulassungsverfahrens werde Februar als Ziel anvisiert, erläuterte Waitz.

Kadenbach sprach sich für eine europäische Agrarpolitik aus, in der "Pestizideinsatz die Ausnahme und keine Pestizide die Regel in der Landwirtschaft sind". Ihr Kollege und Biobauer Waitz kritisierte außerdem die Importe von Soja als Futtermittel, um dann das Schweinefleisch großteils aus Österreich zu exportieren, als nicht ökologisch. (APA, 28.9.2018)