Madame Figaro

Fünf Eindrücke von der Pariser Modewoche

4. Oktober 2018, 11:51

Bei Dior liefen die Models über Blütenblätter, bei Louis Vuitton marschierten sie durch eine gläserne Gangway, und bei Chanel ging es direkt an den Strand

Show-Spektakel: Think big!

Es war, als ob die Pariser Fashion-Week noch einmal allen zeigen wollte, wer hier das Sagen hat, wer die spektakulärsten Shows bietet, die ausgefallenste Mode, die meisten Stars. Diesmal hatte sie sogar Gucci im Programm, eines der angesagtesten Labels überhaupt und normalerweise fester Bestandteil der Mailänder Fashion-Week.

Im legendären Nachtclub Le Palace sorgte Alessandro Michele mit einer gewohnt schrägen Disco-Kollektion und einer Gesangseinlage von Jane Birkin für Furore.

Gucci zeigte die Kollektion für Frühling 2019 im Pariser Nachtclub Le Palace, samt Auftritt von Jane Birkin.
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Auch Dior-Chefdesignerin Maria Grazia Chiuri ließ sich nicht lumpen und verwandelte ihre Show in eine ekstatische Tanzaufführung, bei der sich die Tänzer unter weißem Blütenregen um die Models herumschlängelten, die in hautenge Bodys, feine Tüllröcke und hautfarbene Plisseestoffe gekleidet waren.

Eine aufwendige Show gab es bei Dior zu sehen: Designerin Maria Grazia Chiuri verwandelte die Präsentation in eine Tanzaufführung.
foto: reuters/fuentes

Saint Laurent verwandelte den Platz unter dem Trocadero in einen Spiegelsee und ließ seine Models übers Wasser laufen. Und Beautyriese L'Oréal baute einen Catwalk auf der Seine, über den er hochkarätige Stars wie Eva Longoria laufen ließ. Die gläserne Gangway von Louis Vuitton inmitten des Cour carré du Louvre gab den krönenden Abschluss einer Modewoche voller Extravaganzen.

Louis Vuitton präsentierte auf einer gläsernen Gangway im Louvre.
foto: reuters/fuentes

Mode mit Gewissen

Viele Pariser Designer interessieren sich neuerdings für nachhaltige Mode. Allen voran die vielgelobte Newcomerin Marine Serre. 50 Prozent ihrer Kollektion bestehen aus up-gecycelten Materialien, von alten Vliesdecken bis hin zu simplen weißen T-Shirts. Die neue Courrèges-Designerin, die Deutsche Yolanda Zobel, verkündete, von nun ab kein Plastik mehr benutzen zu wollen.

Swarovski-Kristall trifft bei Marine Serre auf Upcycling-Mode.
foto: jason lloyd evans

Ein mutiger Schritt für ein Label, das in den 1960er-Jahren vor allem für seine Mode aus Vinyl bekannt geworden war.

Beim Modehaus Courrèges soll in Zukunft kein Plastik mehr verwendet werden.
apa/afp

Stella McCartney steht schon seit langem für nachhaltige Designermode und ist der beste Beweis dafür, dass man damit erfolgreich sein kann. Nach 17 Jahren kaufte sie ihr Label dem Luxuskonzern Kering ab und zeigte eine angenehm unprätentiöse Kollektion für eine Designerin, die sich gerade ihre Freiheit zurückgeholt hat. Vor allem die lose geschnittenen Anzüge in hellen Grau- und Beigetönen, die sie sowohl für Männer als auch Frauen entwarf, sorgten für Begeisterung.

Hedi Slimane, die Erste

Zum Start seiner Show ließ Hedi Slimane ein Model im Pünktchenkleid aus einer sich drehenden, metallisch glänzenden Kubusstruktur auf dem Laufsteg erscheinen – das Kleid eine einzige übergroße Schleife. Viele Zuschauer jubelten, darunter Karl Lagerfeld und Lady Gaga. Manch einer musste allerdings eine Träne wegdrücken.

Hedi Slimane verordnet den Models in seiner ersten Kollektion für Celine knappe Kleider.
apa/afp

Die Marke Celine, die vorher von Phoebe Philo geführt wurde, war der Liebling vieler Moderedakteurinnen. Sie hatte den Ruf, intellektuellen Frauen zu gefallen, stand für erwachsenen, aber sinnlichen Minimalismus. Von dieser Ästhetik ist unter Slimane nicht viel geblieben. Minimal ist bei ihm allenfalls die Rocklänge. Daneben zeigte er zuckrige Netzhüte und Pailletten, Nieten, Cowboyboots und viel Schwarz. Die neu eingeführten Celine-Männer steckte er in scharf geschnittene schwarze Anzüge, schmale Krawatten, Leopardenmäntel und coole Lederjacken. Es ist der gewohnte Slimane-Look, mit dem er auch die Marke Saint Laurent zum Verkaufsschlager machte. Ob ihm mit Celine der gleiche Kunstgriff gelingen wird, muss sich erst zeigen. Wer nun die Lücke füllen wird, die Phoebe Philos offenließ, ebenfalls.

Schick ist das neue Hässlich

Gerade einmal zwei Jahre ist es her, dass das Label Vetements den Mut zur Hässlichkeit zum neuen Trend machte. Deformierte Schnitte und kreischende Farben waren auf einmal der letzte Renner. Und eine ganze Riege von Underground-Labels machte mit. Doch der Ugly-Look scheint langsam wieder aus der Mode zu kommen. Koché zum Beispiel zeigte ungewöhnlich tragbare Looks aus eleganten Anzughosen, Blazern und Trenchs. Vor allem aber die Kollektion von Y/Project war diesmal überaus schick, ohne dabei an Originalität einzubüßen.

Selbst das einstige Underground-Label Y/Project ist dem Glamour verfallen.
foto: y/project

Hosen verwandelten sich am Rückteil in einen Rock, ein klassischer Hosenanzug kam mit offener Schulter daher und einem federartigen Kragen aus eingedrehten Stoffbahnen. Vor allem aber zwei schimmernde, bodenlange Satinkleider gaben dem Label von Glenn Martens eine ganz neue Richtung.

Mit Chanel an den Strand

Es fühlte sich an wie ein kurzer Ausflug in die Karibik. Das Grand Palais ein paradiesischer Strand mit weißem Sand und echtem Wasser, das in seichten Wellen ans Ufer schlug. Zwischen den Strohhütten saß Lagerfeld-Muse Baptiste Giabiconi auf einem Aussichtsturm und spielte den Lifeguard. Und siehe da, sogar Pamela Anderson war da!

Die ehemalige Baywatch-Nixe ist derzeit für die Fernsehsendung Danse avec les stars in Paris und war die Attraktion der Show. Barfuß, Chanel-Schläppchen in der Hand, lief sie über den weißen Sandstrand, der diesmal als Laufsteg diente, und setzte sich in die erste Reihe.

Bei Chanel liefen die Models barfuß über den im Grand Palais aufgeschütteten Sandstrand.
foto: reuters/mahe

Ebenso barfuß und unter lautem Möwengeschrei spazierten auch die Models am Ufer entlang. Der Look war schick, aber entspannt: Zu goldfarbenen Tweed-Jacken gab es bequeme Leggings, elegante Culotte-Hosen waren vorn aufgeschlitzt und Tuniken in der Taille gebunden. Auch die Strohhüte auf dem Kopf und die typischen Chanel-Taschen, die diesmal praktisch als Duo über Kreuz getragen wurden, sorgten für das perfekte Urlaubsoutfit. (Estelle Marandon aus Paris, 4.10.2018)

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