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Oligarch Rybolowlew wird seine Rache für zu teure Kunstwerke zur Falle

7. November 2018, 17:03

Ein Korruptionsskandal in Monaco – und mittendrin ein russischer Kunstmäzen und Fußballliebhaber

Die monegassische Polizei hat den Milliardär Dmitri Rybolowlew vorläufig festgenommen. Zugleich wurden die Immobilien des Russen in Monte Carlo durchsucht. Der 52-Jährige steht unter Verdacht, Beamte des Fürstentums geschmiert zu haben, um seine Interessen im Streit mit einem Schweizer Kunsthändler durchzusetzen. Rybolowlews Anwälte bestätigten die Festnahme, betonten aber zugleich, dass zunächst für ihren Mandanten die Unschuldsvermutung gelten müsse.

Gemeinsam mit Rybolowlew wurde auch praktisch die gesamte Leitung der Jutizbehörden Monacos festgenommen. Alle Verdächtigen werden bereits verhört. Die Festnahme des russischen Milliardärs erfolgte kurz vor dem Champions-League-Spiel des ihm gehörenden Klubs AS Monaco gegen den FC Brügge, das Monaco mit 0:4 verlor. Alles in allem ein gebrauchter Abend für den Oligarchen.

Bestechung vs. Betrug

Ob und wie schnell er wieder auf freien Fuß kommt, ist bislang nicht abzusehen. Die Vorwürfe sind gravierend. Konkret geht es darum, dass Rybolowlew versucht haben soll, sich in dem Rechtsstreit mit dem Genfer Kunsthändler Yves Bouvier Vorteile zu verschaffen, indem er Richter und Spitzenbeamte von Kriminalpolizei und Geheimdienst mit Geschenken bestach.

Rybolowlew selbst wirft Bouvier Betrug vor. Über den 55-jährigen Schweizer hatte der Kunstliebhaber ungefähr 40 Gemälde für mehr als zwei Milliarden Dollar erworben. Darunter sind Werke von Pablo Picasso, Leonardo da Vinci und Henri Matisse. Bouvier soll dabei allerdings mit gefälschten Dokumenten weit überhöhte Provisionen kassiert haben. Laut Rybolowlews Anwälten geht es dabei um eine Summe zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Dollar.

Geheimer Mitschnitt

Seit 2015 läuft ein Verfahren wegen Betrugs und Geldwäsche gegen Bouvier, der allerdings vorerst auf Kaution frei ist. Rybolowlew hatte, um die Sache voranzutreiben, im Februar dieses Jahres ein Gespräch mit der Übersetzerin Tanja Rappo heimlich aufzeichnen lassen. "Unter dem Einfluss von Wodka und Kaviar gestand sie, dass Bouvier tatsächlich ein falsches Spiel treibt", schrieb die russische Boulevardzeitung Komsomolskaja Prawda später dazu. Das Telefon mit den Audiomitschnitten übergab Rybolowlews Anwältin Tatjana Berscheda dann der monegassischen Polizei.

Dummerweise soll auf dem Telefon aber auch der rege und vertrauliche Schriftwechsel Berschedas mit einer Reihe hochgestellter Beamter Monacos gespeichert worden sein. Demnach hat Rybolowlew unter anderem Anfang 2015 dem Chef des monegassischen Geheimdiensts, Régis Asso, einen teuren Samowar (russischer Teekocher) mit dem Vermerk "Dank für die Hilfe bezüglich meiner Schweizer Freunde" geschenkt. Asso soll daraufhin ebenso wie die Führungsschicht der Kripo aktiv bei der internationalen Strafverfolgung Bouviers geholfen haben. Wegen des Falls ist bereits vor einem Jahr der ebenfalls mutmaßlich involvierte Justizminister Philippe Narmino zurückgetreten.

Sollte sich der Vorwurf der Korruption gegen Rybolowlew erhärten, schwinden nicht nur seine Aussichten, den Prozess gegen Bouvier zu gewinnen, sondern ihm selbst droht eine längere Haftstrafe.

Anfang der 90er reich geworden

Der in Perm geborene studierte Mediziner kam Anfang der 90er-Jahre zu seinem Reichtum, zunächst als Händler und Broker, später mit der Gründung einer eigenen Bank. Damit gelang es ihm, während der Privatisierung den lukrativen Düngemittelkonzern Uralkali zu übernehmen. Seit 2011 lebt Rybolowlew ständig in Monaco, seit 2012 besitzt er die Staatsbürgerschaft von Zypern. Für Aufsehen sorgte ein milliardenschwerer und langwieriger (2008–2015) Scheidungsprozess. Der Name Rybolowlew tauchte zudem in den Panama-Papers auf, die ein gewaltiges Netzwerk von Steuer- und Geldwäschedelikten enthüllten. (André Ballin aus Moskau, 7.11.2018)