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Test und Fazit: Sennheiser HD 820 – wie klingen Kopfhörer um 2.399 Euro?

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30. Dezember 2018, 15:41

Bei den sündteuren Kopfhörern setzt der deutsche Hersteller auf eine innovative Mischung – ist die Kombination ein Hörgenuss oder Reinfall?

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2.399 Euro sind eine Menge Geld. Man kann sich dafür einen Gebrauchtwagen oder neue Kopfhörer von Sennheiser kaufen, konkret die HD 820. Der deutsche Audioexperte will dafür allerdings einiges bieten – es soll der "neue audiohile Standard für geschlossene Kopfhörer" sein. Sennheiser verfolgt dabei einen durchaus innovativen Ansatz. So sind die HD 820 eine Mischung aus offenen und geschlossenen Kopfhörern. Die Vorteile beider Welten sollen in das Produkt eingeflossen sein.

Innovative Mischung

Diese Kombination hat Sennheiser durch ein Spezialglas von Corning zustande bekommen, die auf den Treibern angebracht ist. Dieses sorgt dafür, dass der Schall reflektiert wird und nicht wie bei herkömmlichen offenen Kopfhörern gänzlich ausstrahlt. Somit könnte man die HD 820 prinzipiell auch in der Öffentlichkeit verwenden, ohne dass die direkte Umgebung mit der eigenen Musik zwangsbeglückt wird oder Außengeräusche den Klang verzerren.

Verstärker vorausgesetzt

Mit einer Impedanz von 300 Ohm sind die Kopfhörer allerdings weniger für Mobilgeräte geeignet, außer man setzt auf einen Mobilverstärker. Für den Heimgebrauch bietet der deutsche Hersteller mit dem HDV 820 eine passende Lösung für die HD 820. Der vollsymmetrische Kopfhörerverstärker kostet ebenso 2.399 Euro und liefert genug Power für die leistungshungrigen Kopfhörer. Anschließen kann man die HD 820 an den Verstärker mittels beigelegtem XLR- oder Pentaconn-Stecker.

Hoher Tragekomfort, gute Verarbeitung

Hinsichtlich des Tragekomforts geben sich die Luxus-Kopfhörer keine Blöße. Obwohl sie doch recht massiv ausfallen, sind sie auch über einen längeren Zeitraum sehr angenehm zu tragen. Stolze 360 Gramm Gesamtgewicht weisen die Kopfhörer auf – die Verarbeitungsqualität ist ebenso sehr gut. Die HD 820 werden übrigens komplett in Deutschland hergestellt, jedes Modell hat außerdem seine eigene Seriennummer und wird in einem Art Holzkoffer ausgeliefert.

Ein Ohrenschmaus

Beim Klang, dem wohl wichtigsten Merkmal eines Kopfhörers, hat man bei der ersten Nutzung der HD 820 ein wahres "Aha"-Erlebnis. Jedes einzelne Instrument eines Musikstücks ist klar einzuordnen und herauszuhören – vorausgesetzt die musikalische Quelle ist hochauflösend. Für YouTube-Rips oder minderqualitative Mp3-Dateien bieten sich die Kopfhörer weniger an. Die HD 820 sind vielmehr Kopfhörer, mit denen man sich hinsetzt, Zeit nimmt und die Musik wie auf einem guten Konzert in Ruhe genießt.

Wie gut klingen diese Kopfhörer eigentlich?

Die Einordnung des Sounds ist subjektiv, allerdings besticht dieser wie für Sennheiser üblich durch einen sehr ausgeglichenen und neutralen Klang. Der Bass ist nicht aufdringlich mit einer angenehmen Intensität. Die Mitten bringen einen gewissen "Bums" mit sich, damit diese nicht untergehen und die Höhen sind klar und hörbar. Der Bass, die Mitten und Höhen überlagern sich auch nicht gegenseitig. Hinsichtlich der Transparenz und Räumlichkeit soll Sennheiser bei den HD 820 gegenüber den HD 800 S noch ein bisschen nachgebessert haben – dies konnte allerdings nicht nachgeprüft werden.

Kritik gibt es aber doch

Zwei Kritikpunkte gibt es allerdings sehr wohl und zwar einerseits der viel zu hohe Preis und die Tatsache, dass die verwendeten Gläser nur zu einem sehr geringen Teil die Ausstrahlung des Sounds verhindern. Die Kopfhörer sind also ausschließlich für den Heimgebrauch vorgesehen, möchte man es sich nicht mit seinem Umfeld in Öffis und Büro verscherzen. Wieso Sennheiser im Vergleich zu den HD 800 S den Preis für sein Referenzmodell gleich einmal um fast 1.000 Euro erhöht hat, ist leider unverständlich.

Fazit

Die Sennheiser HD 820 lassen sich mit einem sündteuren, aber hervorragenden Wein vergleichen: Lässt man sich darauf ein und nimmt man sich auch genügend Zeit dafür, dann bekommt man ein Erlebnis serviert, das jedes Mal aufs Neue begeistert. Überteuert sind die Kopfhörer auf jeden Fall und auch die verwendete Glas-Lösung ist zumindest für das Umfeld nicht ganz so gelungen. Letztlich wird mit den sündteuren Kopfhörern aber eine gewisse Büchse der Pandora geöffnet – alle anderen Produkte klingen danach einfach nicht mehr gut genug. (Daniel Koller, 30.12.2018)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Richtlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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