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Was an Lebkuchen aus gesundheitlicher Sicht okay ist

4. Dezember 2018, 06:00

Die Adventzeit ohne Süßigkeiten gibt es nicht. Das Gute an Lebkuchen: Seine Gewürze haben in der Naturheilkunde eine lange Tradition

Honig, Nüsse und Mandeln, spezielle Gewürze wie Koriander, Muskat und Nelken: Ohne Lebkuchen wäre die Adventzeit nur halb so schön. Dabei liegen die Ursprünge der heutigen Lebkuchen schon in den mittelalterlichen Klöstern, auch in der Naturheilkunde finden die im Lebkuchen enthaltenen Gewürze schon lange Verwendung. Dort sollen sie körperliche Beschwerden lindern und das Wohlbefinden steigern.

Daneben regen sie über die Geruchs- und Geschmacksorgane den Appetit an und fördern die Sekretion von Speichel im Mund und von Verdauungssäften in Magen und Darm. Sie gelten daher allesamt als verdauungsfördernd, manche lindern Magenbeschwerden durch zu viel oder zu fettes Essen, und andere beruhigen die Nerven. Insgesamt also eine ideale Mischung für die Weihnachtstage.

Ruft Erinnerung wach

Wissenschaftliche Untersuchungen zu den positiven gesundheitlichen Wirkungen der Gewürze gibt es zwar nur wenige. Auch reicht die Menge an enthaltenen Gewürzen nicht aus, um gezielt eine Wirkung herbeizuführen. Vielmehr hat der Konsum von Lebkuchen insgesamt eine wohltuende Wirkung, zumal auch die Psyche profitiert, wenn die Kombination der Gewürze an Weihnachten erinnert, Kindheitserinnerungen hervorruft und diese positiven Gefühle Stress abbauen.

Fast immer in Lebkuchen zu finden ist das etwas nach Lakritz und süßem Kümmel schmeckende Anis. Das Gewürz gilt in der Naturheilkunde als schleim- und krampflösend und wird daher oft in Hustensäften oder gegen Magenkrämpfe verwendet. Zudem gilt es als verdauungsfördernd.

Auch Ingwer fehlt in keinem traditionellen Lebkuchen. Die bekannte Klostermedizinerin Hildegard von Bingen beobachtete bereits im Mittelalter, dass Ingwer "von innen wärme", das Herz-Kreislauf-System anrege und entkrampfend wirkt. In der Naturheilkunde wird er bei Kopf-, Magen- und Menstruationsschmerzen eingesetzt.

Fördert Verdauung

Kardamom stammt ebenso aus der Ingwerfamilie. Seine milde Schärfe regt den Fettstoffwechsel an, wirkt verdauungsfördernd und appetitanregend. In der Naturheilkunde wird Kardamom bei Erkältungen eingesetzt. Die ayurvedische Heilkunst verwendet Kardamom bei Husten, Asthma und Bronchitis.

Koriander duftet eher nach Orangen und Zimt und wirkt daher beruhigend, auch bei Migräne. Seine bitter-scharfen ätherischen Öle wirken zudem desinfizierend. Forscher arbeiten bereits daran, daraus eine Alternative zu Antibiotika zu entwickeln.

Die Muskatnuss darf mit ihrem leicht bitteren Geschmack im Lebkuchen nicht fehlen. In der Naturheilkunde gilt sie als beruhigend. Da sie auch schmerzlindernd und entzündungshemmende Eigenschaften hat, wird sie gerne bei Rheuma und Muskelschmerzen eingesetzt. Die enthaltene Substanz Myristicin wirkt anregend auf Körper und Geist und wirkt ähnlich stimmungserhellend wie ein Amphetamin. Schon der Duft ist verführerisch. Hildegard von Bingen sagt, sie "öffnet das Herz der Menschen".

Wie Winter schmeckt

Die Nelke besitzt hingegen ein eher herbes, würziges Aroma. Man sagt ihr eine entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung nach. Spanische Wissenschafter entwickelten ein Nelkengel, das ähnlich stark schmerzstillend wirkte wie das Betäubungsmittel Benzocain. Außerdem sei sie desinfizierend und appetitanregend. Nelken enthalten die Substanz Eugenol, die gegen Erkältungen hilft, da sie die Abwehrkräfte stimuliert.

Eine Ausnahmerolle nimmt Zimt ein. Das würzige, herbe und etwas süße Aroma ist besonders typisch für die Weihnachtszeit. Zimt wird eine wärmende Wirkung nachgesagt, vielleicht ist das der Grund, warum sich der Zimt seit eh und je als Weihnachts- und Wintergewürz etabliert hat. Zimt soll auch gegen Stress helfen, Hildegard von Bingen rührte Zimt immer in ihre "Nervenkekse". Der Effekt dürfte darauf beruhen, dass Zimt mittlerweile nachweislich die Gefäße erweitert und dadurch den Blutdruck senkt. In der Naturheilkunde wird Zimt zur Anregung der Verdauung, des Kreislaufs und der Fettverdauung eingesetzt. Neuere Studien liefern Hinweise, dass Zimt sich auch positiv auf den Zuckerstoffwechsel auswirken kann.

Nicht zu lange backen

Natürlich lässt sich Lebkuchen zu Hause auch selber backen. Dann sollte man allerdings darauf achten, das giftige Acrylamid unter Kontrolle zu bringen. Der Stoff ist als krebserregend eingestuft und entsteht beim starken Erhitzen von Kohlehydraten und Stärke. Je dunkler ein Gebäck durch langes Backen mit hohen Temperaturen ist, umso mehr Acrylamid enthält es.

Um bei Lebkuchen den Acrylamidgehalt möglichst niedrig zu halten, sollte der Herd auf höchstens 200 Grad eingestellt sein und das Gebäck nicht zu stark bräunen. Auch das Unterlegen von Backpapier verringert die Bildung von Acrylamid. Danach den Lebkuchen zwei Wochen in die Keksdose stecken. In der Zeit baut sich das Acrylamid ab. In der Dose hält sich der Lebkuchen zudem mehrere Monate. (Andreas Grote, 4.12.2018)