Foto: Marburger Tapetenfabrik

Nena, Til Schweiger und Donald Trump: Interieur von Promis

30. Dezember 2018, 10:00

Immer mehr Stars entwerfen ihre eigenen Home-Kollektionen

Im Bett mit Donald Trump? Das ist für die meisten wohl eine gruselige Vorstellung. Tatsächlich scheint es Menschen zu geben, die sich zumindest in Trump betten wollen, genauer gesagt im Bettbezug "King Sheet Set" aus dem Trump Store um 240 US-Dollar. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass sogar das "ikonische Trump HotelsTM Logo" in den Stoff eingestickt ist. "Die Bettwäsche bringt den einzigartigen Trump-Luxusstandard direkt zu Ihnen nach Hause", heißt es weiter.

Wer könnte das nicht wollen? Aber das ist noch lange nicht alles. Trump-Fans können sich aus der Trump Home Collection auch Sofas, Kronleuchter, Barhocker oder Schreibtische kaufen. Ursprünglich wurde die Kollektion von Trump selbst vermarktet, heute ist sie im Besitz der Trump-Organisation.

Sessel von Brad Pitt

Vor seiner Zeit als US-Präsident war Trump Geschäftsmann und vor allem Promi, und zwar einer, der seine eigene Möbel- und Dekokollektion ins Leben gerufen hat. Und damit ist er beileibe nicht der Einzige: Lionel Richie macht Bettzeug und Badezimmer-Zubehör, ebenso wie Eva Longoria. Von Justin Timberlake gibt es Teller und Hocker, von Drew Barrymore Bilderrahmen und Vasen, von Reese Witherspoon Pölster, Tischdecken und Geschirr. Brad Pitt designt Sessel, Carl Philip von Schweden Textilien und Porzellan, die österreichische Schauspielerin Monika Weinzettl hat eine Kastlwerkstatt, und Dieter Bohlen und Nena dürfen sich Tapeten-Designer nennen. Nicht 99, aber immerhin 61 verschiedene Motive umfasst Nenas Kollektion der Marburger Tapetenfabrik. Die Muster erinnern an jene Zeit, in der Nena ihre größten Erfolge feierte. Eines – ein pinkes Zebramuster – ist eine Hommage an ihre erste Band The Stripes, sagt die Sängerin.

Eva Brenner, Innenarchitektin und TV-Moderatorin von Zuhause im Glück auf RTL 2, hat kürzlich gemeinsam mit Hofer eine Deko-, Möbel- und Heimtextilienkollektion herausgegeben. "Inneneinrichtung für alle" ist das Motto, denn die müsse nicht teuer sein, ist man bei Hofer überzeugt. Dazu passt auch Brenners Sendung. Darin werden Häuser für sozial schwache Familien renoviert. Dass immer mehr Promis selbst entwerfen, erklärt Brenner so: "Die Menschen wollen etwas verkörpern und nach außen darstellen. Man möchte sich nicht nur über Mode, sondern auch über das Wohnen definieren und ausdrücken. Da liegt es nahe, ein Testimonial für eine bestimmte Linie zu werden."

Möbel vom Model

Es ist also auch die Leidenschaft fürs Einrichten, die Promis zu Designern werden lässt. Da liegt es auf der Hand, einem Beistelltisch den eigenen Namen aufzudrücken oder ein Möbelstück als Eva-Padberg-Ecksofa XL zu vermarkten. Letzteres gibt es übrigens bei Home24. Das Model bietet dort ihr Label Ce'Nou an – bestehend aus Textilien, Lampen und Möbeln.

Anderen Stars geht es wohl eher darum, sich zu verewigen. Nicht jeder setzt sich gleich selbstbewusst à la Cristiano Ronaldo ein überdimensionales Bronzedenkmal, noch dazu mit monströsem Gemächt. Ein Pölsterchen oder eine Tapete mit persönlichem Aufdruck ist da wesentlich subtiler, und noch dazu kann jeder sich das gute Stück daheim ins Wohn- oder Schlafzimmer stellen. So bleibt auch die Erinnerung – an Promis, die ihre Glanzzeiten oft schon hinter sich haben. Immerhin, die Käufer ihrer Möbelstücke und Bettwäsche vergessen sie nicht.

Und wer kauft die von Promis entworfenen Stücke eigentlich? Neben Hardcore-Fans, auch wenn man sich diese bei Donald Trump oder Dieter Bohlen kaum vorstellen kann, sind es wohl jene Menschen, die sich ein Stück vom glamourösen Leben der Stars wünschen. Es geht um Anknüpfungspunkte und um imaginäre Freundschaft – immerhin hat man denselben Geschmack wie das Idol. Verkauft wird letztlich, was der Promi verkörpert.

Marketing-Masche

Einer, der die Marketingmaschinerie auf Hochtouren laufen lässt, ist Til Schweiger. Seine Kollektion "Barefoot Living" besteht neben Kleidung auch aus Einrichtungsstücken, darunter sind auch ganz spezielle Objekte, etwa ein Vintage-Toilettenpapierreservehalter um 49,90 Euro. Geworben wird mit: "Enter the Spirit of Til Schweiger!"

Alle Stücke sind durchwegs in den Sepiatönen gehalten, die man auch aus Schweigers Filmen kennt. Ebenso wie manche Möbel selbst – der Tisch "Iron Vintage" um 3300 Euro ist in Honig im Kopf zu sehen. Wer die Beschreibungen auf der Website liest, hat das Gefühl, direkt mit Schweiger zu sprechen, dort heißt es: " Ich liebe es, an so einem Tisch meine Pasta am besten mit möglichst vielen Freunden und Kindern zu essen und meinen Wein zu trinken. Am liebsten die ganze Nacht." Lebensgefühlvermittlung via Möbelstück geglückt: Denn wer will nicht mit Til Schweiger Pasta-essend die ganze Nacht an einem Tisch sitzen? (Bernadette Redl, 30.12.2018)