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Schwarzer Tag an Europas Börsen

6. Dezember 2018, 22:04

Mit hohen Verlusten und dem tiefsten Schlussstand seit zweieinhalb Jahren reagierten die europäischen Börsen auf die Festnahme einer chinesischen Topmanagerin in Kanada

Die Festnahme der Finanzchefin des chinesischen Netzwerkausrüsters Huawei in Kanada hat die Furcht vor einer Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China an den Börsen neu entfacht. Weltweit gingen die Aktienmärkte auf Talfahrt. Die europäischen Aktienmärkte schlossen auf dem tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahre. Der Leitindex der Eurozone, der Euro Stoxx 50, sackte um 3,31 Prozent auf 3045,94 Punkte ab. Zuletzt stand er im Mai 2016 so tief.

In New York war der Dow-Jones-Index kurz vor Schluss rund 0,5 Prozent niedriger, nachdem er im Verlauf des Handelstages mehr als zwei Prozent verloren hatte.

"Schwer vorstellbar, dass diese Entwicklung zu einer Deeskalation im Zollstreit zwischen den USA und China beiträgt", sagte der Analyst Gregor Kuhn von Emden Research. Sorgen bereitet auch die Entwicklung des US-Handelsbilanzdefizits im Oktober, das entgegen den Zielen von US-Präsident Donald Trump auf den höchsten Stand seit zehn Jahren geklettert ist. Das könnte Trump zu weiteren Schritten gegen die Handelspartner verleiten, wird befürchtet.

Technologiebranche unter Druck

Auch der kräftige Rückgang des Ölpreises angesichts der bisher ausgebliebenen Einigung der Opec-Staaten über eine Förderkürzung belastete zahlreiche Aktien. In Europa rasselte der exportlastige deutsche Leitindex Dax merklich unter die Marke von 11.000 Zählern und schloss um 3,5 Prozent tiefer bei 10.811.

Einmal mehr geriet die Technologiebranche besonders stark unter die Räder. Dies bekamen an Europas Börsen etwa Infineon, der Huawei-Zulieferer STMicro oder in Wien AT&S zu spüren. Es gab aber auch Ausnahmen: Da die USA ihre Verbündeten dazu drängen, wegen Sicherheitsbedenken keine Geschäfte mehr mit dem Netzwerkausrüster Huawei zu machen, würden die zwei Mitbewerber profitieren. Ericsson legte gegen den Trend zu, Nokia wurde wegen eines Feiertags in Finnland nicht gehandelt. Ebenfalls im Retourgang unterwegs waren Autoerzeuger, Daimler sackte um 6,18 Prozent auf ein Fünfjahrestief ab, VW verlor 3,12 Prozent.

Starke Verluste für Schoeller-Bleckmann

An der Wiener Börse zerbröselte Schoeller-Bleckmann geradezu wegen des fallenden Ölpreises. Aber auch die OMV und die drei im Leitindex enthaltenen Banken zogen den ATX in die Tiefe. RBI stürzte um 5,56 Prozent ab. Der Wiener Leitindex schloss um 3,28 Prozent tiefer und hat in nur drei Handelstagen einen Verlust von sechs Prozent erlitten. Stabil oder mit vergleichsweise geringen Abschlägen wurden die Immobilientitel gehandelt.

An der Wall Street wurde vor allem Citigroup abgestraft. Finanzchef John Gerspach hatte am Mittwoch eingeräumt, dass die Bank ihr Rentabilitätsziel für 2018 verfehlen könnte. (red, 6.12.2018)

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