Foto: Office of Science and Technology Austria -Washington, DC

Ascina-Award an die Analytikerin von Machtstrukturen

9. Dezember 2018, 15:16

Die politische Theoretikerin Claudia Leeb gewann den Hauptpreis für exzellente österreichische Wissenschafter in den USA

Die österreichische Wissenschafterin Claudia Leeb (49) hatte zur Verleihung eines Ascina-Award an sie ein Geschenk für Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) mitgebracht. Ihr jüngstes Buch "The politics of repressed guilt: the tragedy of Austrian silence". Die Psychologin und politische Theoretikerin zeigt darin auf, wie wichtig eine eingehende Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte wäre, um keine negativen Auswirkungen auf die Gegenwart zuzulassen. In Österreich würde man sich nach dem Zweiten Weltkrieg eine Abwehrhaltung gegenüber jeder Schuldfrage zugelegt haben.

Den mit 10.000 Euro dotierten "Junior Principal Investigator Award" der Ascina-Preise erhielt sie aber für ihr bereits im Vorjahr bei Oxford University Press erschienenes Buch "Power and Feminist Agency in Capitalism: Toward a New Theory of the Political Subject". Es geht darin um von weißen Männern dominierte Machtstrukturen in der kapitalistischen Gesellschaft und die schmerzhaften "Momente der Grenze", in denen sich Frauen, ethnische Minderheiten und die Arbeiterklasse geistig-emotional auflehnen und daraus Kraft für Handlungen gegen die Unterordnung schöpfen.

In einem kommenden Projekt wird sie sich mit dem weltweiten Aufstieg der Rechten und extremen Rechten beschäftigen und fragen, warum das durch viele Anhänger möglich wird, obwohl diese es eigentlich aufgrund der Geschichte besser wissen sollten. Leeb arbeitet an der School of Politics, Philosophy and Public Affairs der Washington State University in Pullman (US-Bundesstaat Washington) und betont, dass sie hier die idealen Bedingungen für Ihre Arbeit hat, weil sie wenig Lehre machen muss.

Probleme mit der Autophagie

Die beiden mit je 7.500 Euro dotierten Ascina-Preise für "Young Scientists" gingen am Samstagabend in der österreichischen Botschaft in Washington D.C. an Jelena Todoric (42), Absolventin der Medizin-Uni Wien und seit 2012 als Postdoc am Laboratory of Gene Regulation and Signal Transduction der University of California in San Diego, sowie an Andreas Pedross-Engel (36), TU-Graz-Absolvent und seit vier Jahren Postdoc am Department of Electrical Engineering der University of Washington in Seattle.

Todoric hat nachgewiesen, dass Störungen in der Autophagie der Zelle die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs begünstigen. Die entsprechende Arbeit ist 2017 im Fachjournal "Cancer Cell" erschienen. Derzeit beschäftigt sie sich mit der Entstehung von Leberkrebs und untersucht, wie sich ein zu hoher Fruktoseanteil in der Ernährung negativ auf bestimmte Darmbakterien auswirken kann, diese dann austreten, im übrigen Körper zirkulieren und in der Leber zur Tumorentwicklung beitragen. Todoric meinte, zu viel Fruktose könne man nur durch Softdrinks zu sich nehmen, nicht durch Obst.

Pedross-Engel wird für eine 2018 im Fachjournal IEEE Transactions on Computational Imaging publizierte Arbeit ausgezeichnet. Hier beschrieb er ein 3D-Kamerasystem mit für den Menschen unbedenklichen elektro-magnetischen Millimeter-Wellen. Mit diesen für den Menschen unbedenklichen Wellen kann man Verborgenes in Taschen sichtbar machen, künftig auf Bodyscannen mit bewegten Antennen verzichten – und damit Warteschlangen auf Flughäfen verkleinern.

Die Preisverleihung gilt als der Höhepunkt des Austrian Research and Innovation Talks (ARIT). Das Netzwerktreffen findet einmal jährlich statt und wird vom Office of Science and Technology Austria (OSTA) in Washington DC im Auftrag von Wissenschafts- und Verkehrsministerium organisiert. Ascina ist das Netzwerk österreichischer Wissenschafter in Nordamerika (Austrian Scientists and Scolars in North America). Es besteht seit 2002. (Peter Illetschko, 9.12.2018)


Die Reise nach Washington D.C. erfolgte auf Einladung des Rats für Forschung und Technologieentwicklung