Fall Khashoggi: "Ich bekomme keine Luft" waren letzte Worte

10. Dezember 2018, 05:41

Eine Quelle berichtet CNN über die Abschrift einer Tonaufnahme von der Tötung des Journalisten. Die Saudis liefern indes Verdächtige nicht aus

Washington/Istanbul – Die letzten Worte des getöteten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi sollen "Ich bekomme keine Luft" gewesen sein. Das berichtete der US-Nachrichtensender CNN am Sonntag unter Berufung auf eine Quelle, die eine Abschrift einer Tonaufnahme von Khashoggis Tötung gelesen hat. Demnach dokumentiert die Abschrift auch, wie der regierungskritische Journalist gegen seine Mörder kämpfte und wie sein Leichnam später "mit einer Säge zerteilt" wurde.

Den Angaben zufolge macht die Abschrift deutlich, dass die Tötung im saudischen Konsulat in Istanbul geplant war und die Täter mehrere Telefonate führten, um über den Stand der Dinge zu informieren. Türkische Behördenvertreter gehen laut CNN davon aus, dass diese Telefonate mit hochrangigen saudi-arabischen Vertretern geführt wurden.

Auslieferung ausgeschlossen

Saudi-Arabien hat indes die Auslieferung von zwei hohen Beamten aus dem Umfeld des Kronprinzen Mohammed bin Salman ausgeschlossen. Die Türkei hatte Anfang Dezember gegen Saud al-Kahtani, einen engen Vertrauten des Prinzen, und den früheren stellvertretenden Geheimdienstchef Ahmed al-Asiri Haftbefehle erlassen.

Der saudische Außenminister Adel al-Jubair sagte laut dem Sender Al-Arabiya am Sonntag, dass sein Land die Gesuchten nicht überstellen werde: "Wir liefern unsere Bürger nicht aus."

Fahndungs- und Haftbefehle

Laut den Haftbefehlen, aus denen die türkische Nachrichtenagentur Anadolu zitierte, wirft die Staatsanwaltschaft den beiden prominenten Beamten geplanten und vorsätzlichen Mord vor. Auch von Folter ist die Rede. Die Männer seien unter denjenigen gewesen, die den Mord in Saudi-Arabien geplant hätten. Die Fahndungs- und Haftbefehle werden allerdings eher als politischer Schachzug gewertet, um den Druck auf Saudi-Arabien aufrechtzuerhalten, denn als aussichtsreiches juristisches Manöver.

Saudi-Arabien hat einen eigenen Prozess angestrengt, in dem angeblich elf Personen angeklagt wurden und fünf nach dem Willen der Staatsanwaltschaft hingerichtet werden sollen. (APA, 10.12.2018)

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