Graz – Immer neue Facetten der eigenwilligen Weltanschauung zeigen sich beim Prozess gegen 14 Mitglieder des "Staatenbundes" im Grazer Straflandesgericht. Die Angeklagten müssen sich teilweise wegen versuchter Bestimmung zum Hochverrat verantworten, weil sie einen eigenen Staat gründen und amtierende Regierungsmitglieder verhaften lassen wollten. Am Montag ging es um die Einstellung zur Schulpflicht.

Die Präsidentin des Vereins hatte schon mehrmals ihre Einstellung zu Grundbuch oder amtlichen Kfz-Kennzeichen kundgetan. Sie negierte beides und wollte es durch selbstkreierte Varianten ersetzen. Dass deren Gültigkeit nur bei Gleichgesinnten anerkannt wurde, mussten einige Mitglieder des "Staatenbundes" schmerzlich erfahren – bei Exekutionen ihrer Häuser zum Beispiel.

"Freies Lernen"

Nun stand das Thema Schulpflicht auf dem Programm. Als Zeuge war ein Pflichtschulinspektor geladen, der sich um den Schulbesuch der Tochter der Hauptangeklagten gekümmert hat. Das Mädchen besuchte eine Neue Mittelschule, schloss aber die zweite Klasse negativ ab. Daraufhin meldete ihre Mutter sie von der Schule ab – und zwar gleich vom ganzen Schulsystem. "Sie hat gesagt, sie will eine eigene Schule mit freiem Lernen gründen", erzählte der Zeuge.

Die Frau wurde darauf hingewiesen, dass das schulpflichtige Kind dann Externistenprüfungen machen müsse. "Sie hat geschrieben, im Staat Steiermark gibt es keine Externistenprüfung." Im übrigen ginge ihr Kind in eine "staatliche Schule" – in ihrem eigenen Staat – "und das konnte ich als Beamter nicht akzeptieren".

Kurzes Wortgefecht

Also setzte sich der Inspektor mit dem Vater des Mädchens in Verbindung, "er erschien mir sehr vernünftig." Schließlich konnte die Tochter Prüfungen nachmachen und wieder in einer Neuen Mittelschule einsteigen, wo sie "die vierte Klasse beucht, eine beliebte Schülerin ist und mit hoher Wahrscheinlichkeit positiv abschließen wird, und das war mir den ganzen Zirkus wert", betonte der Zeuge.

Auf die Frage, welchen Eindruck die Präsidentin und ihre Anhänger auf ihn gemacht hätten, meinte er: "Ich habe mir gedacht, dass die ein bissl deppert sind", wobei sich der Schulinspektor sogleich für seine Ausdrucksweise entschuldigte. Nach einem kurzen Wortwechsel mit der Angeklagten im Gerichtssaal meinte er trocken: "Die Entschuldigung nehme ich zurück." (APA, 10.12.2018)