Foto: Twitter/MatthiasBorowski

Social-Media-Fail: Deutsche AfD sucht "alternatives" Cola

11. Dezember 2018, 10:46

Die Coca-Cola Company hat sich deutlich gegen die Partei positioniert, Auslöser war ein Fake-Plakat

"Für eine besinnliche Zeit: Sag Nein zur AfD": Das Foto eines Plakats von Coca-Cola sorgte schnell für Aufregung. Manche freuten sich, manche ärgerten sich, der stellvertretende AfD-Vorsitzende von Sachsen stellte eine Anfrage an die deutsche und die amerikanische Vertretung des Konzerns.

Schnell war allerdings klar, dass das Sujet nicht vom Getränkehersteller selbst fabriziert worden war. Es stammt von einer Initiative namens "#AfDentskalender", die der rechten Partei nicht sonderlich wohlgesinnt ist, berichtet die "Taz".

Abfuhr von Coca-Cola

Es war allerdings erst die Reaktion Coca-Colas, die die folgenden Ereignisse in Gang setzte – und die "Alternative für Deutschland" auf eine bis heute andauernde Suche nach einer ihr wohlgesonnenen Cola-Marke schickte. "Nicht jedes Fake muss falsch sein", reagierte der PR-Chef von Coca-Cola Deutschland auf Twitter. Der offizielle Account des Unternehmens verbreitete sein Statement weiter.

Kurz darauf tauchte auf den Facebook- und Twitter-Auftritten verschiedener AfD-Gruppen, etwa jener von Berlin, ein neues Bild auf. Jemand hatte das Fake-Cola-Plakat zu einem Fake-Pepsi-Plakat gemacht. Dort zu lesen auf blauem Untergrund inklusive Firmenlogo: "Für eine besinnliche Zeit: Sag Ja zur AfD."

Pepsi prüft "rechtliche Schritte"

Ein Facebook-Nutzer wies Pepsi auf das Sujet hin. Dort distanziert man sich "ausdrücklich von dieser parteipolitischen Vereinnahmung unserer Markenrechte" und prüft "rechtliche Schritte gegen die Urheber" wegen Markenrechtsverstößen. Von vielen AfD-Seiten verschwand das Bild daraufhin wieder. Zudem tauchte ein Video auf, in dem ein angeblicher AfD-Anhänger aus Protest Cola-Flaschen ausschüttet. Die Authentizität der Aufnahme ist jedoch nicht geklärt.

Nun versuchte es Björn Höcke, Fraktionschef der AfD Thüringen und einer der bekanntesten Funktionäre der Partei. Er probierte es mit einem Foto von sich und einer Flasche Vita Cola auf Twitter. "In Thüringen trinkt man Vita Cola", schrieb er. Der dort ansässige Hersteller habe Coca-Cola regional sogar schon überholt. "Es gibt zu allem eine Alternative, nicht nur in der Politik ...", steht auf dem Foto.

Doch auch Vita Cola hat damit keine große Freude. In einer Stellungnahme an den "Volksverpetzer" distanziert man sich von dem Foto. Als Marke wolle man sich "neutral" verhalten und parteipolitische Vereinnahmung vermeiden. Man stehe jedenfalls "für Weltoffenheit und Toleranz". Vita Cola hat auf seinen Sujets auch schon mit einem homosexuellen Paar geworben. Für Höcke hingegen ist Homosexualität bestenfalls "ertragbar".

foto: twitter/bjoernhoecke

Neuer Anlauf mit Afri-Cola

Am Montag setzte schließlich mit Malte Kaufmann ein weiterer AfD-Vertreter den bisherigen Schlusspunkt. Er lichtete sich mit einer Flasche Afri-Cola ab, da er jetzt täglich die "politische Gesinnung der jeweiligen Hersteller" testen wolle.

Auch dort kommt das Foto nicht gut an. Man hat eine öffentliche Stellungnahme angekündigt. Gegenüber dem STANDARD erklärt man aber vorab: "Afri Cola steht für Popkultur, das heißt für Freiheit und Toleranz. Afri lässt sich von politischen oder sonstigen Vereinigungen nicht verbiegen, benutzen oder vereinnahmen."

foto: twitter/maltekaufmann

Bereits bei Fritz Kola abgeblitzt

Schon unmittelbar nach der Reaktion von Coca-Cola auf das Fake-Plakat hatte Kaufmann angekündigt, "schmackhaftere Alternativen" zu suchen, und sich für einen mittlerweile gelöschten Tweet mit einer Flasche Fritz Kola fotografiert, wie der "Volksverpetzer" dokumentiert.

Ein Schuss, der jedoch sehr schnell nach hinten losging. Denn Fritz Kola positioniert sich schon lange dezidiert kritisch gegenüber rechten Bewegungen und äußert sich immer wieder entsprechend zu aktuellen Entwicklungen.

Abseits politischer Festlegungen und markenrechtlicher Überlegungen birgt die Angelegenheit potenziell Vorteile sowohl für die Getränkehersteller als auch für die Partei. Sie erhalten Aufmerksamkeit und können gegebenenfalls eine Botschaft an ihre Zielgruppen richten.

Der Fall erinnert auch an die Auseinandersetzung zwischen dem bekannten Identitären Martin Sellner und dem Limonadenhersteller Thomas Henry im vergangenen März. Sellner hatte die Firma in einem Video – wie er später sagte: scherzhaft – als "Sponsor" bezeichnet. Diese leitete daraufhin rechtliche Schritte ein und übermittelte eine Unterlassungserklärung. (gpi, 11.12.2018)

Update, 13:35 Uhr: Stellungnahme von Afri Cola ergänzt.