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Salzburgs starker Europa-League-Herbst "Ansporn für mehr"

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14. Dezember 2018, 10:53

Die Bullen haben nach der makellosen Gruppenphase erneut ambitionierte Ziele. Rose verzichtet nach dem 2:1 bei Celtic auf Superlative

Glasgow – Red Bull Salzburg hat im abschließenden Europacup-Spiel des historischen Jahres 2018 noch einmal Selbstvertrauen getankt. Das eindrucksvolle 2:1 am Donnerstag bei Celtic Glasgow, der sechste Sieg im sechsten Europa-League-Gruppenspiel, lässt Österreichs Meister von einem ähnlichen Erfolgslauf wie in der vergangenen Saison träumen, als erst im Halbfinale Endstation war.

Der Jubel der Spieler im Celtic-Park fiel ausgelassen aus. "Das sollte uns Selbstvertrauen und Mut geben und Ansporn für mehr", sagte Trainer Marco Rose über die zum dritten Mal in der Klubgeschichte makellos beendete Gruppenphase. "Wir nehmen das Vertrauen mit, dass wir international bestehen können." Auch auswärts und vor beeindruckender Kulisse.

apa

Die Salzburger gaben beim schottischen Meister klar den Ton an. "Wir wissen, was dazugehört – Laufbereitschaft, mutiger Fußball mit dem Ball", erklärte Rose. "Wir wissen aber auch, dass in so einer K.-o.-Phase immer alles passieren kann." Dass sich Salzburg ambitionierte Ziele setze, sei in Österreich mittlerweile bekannt. "Trotzdem wollen wir vorerst nur über die nächste Runde sprechen."

Die Auslosung des Sechzehntelfinales steigt am Montag um 13 Uhr in Nyon, Salzburg ist als Gruppensieger gesetzt. Der prominenteste der 14 möglichen Gegner ist Lazio Rom. Gegen die Italiener hatten sich die Bullen im Frühjahr im Viertelfinale durchgesetzt. Gespielt wird am 14. und 21. Februar. "Gut ist, dass wir das erste Spiel auswärts haben. Das ist sicher ein kleiner Vorteil", meinte Sportdirektor Christoph Freund.

Die Zukunft am Rande

Mit möglichen Gegnern hat sich das Team bisher kaum auseinandergesetzt. Dass RB Leipzig den Aufstieg trotz Salzburger Schützenhilfe mit einem 1:1 gegen Rosenborg Trondheim verspielte, wollte Rose nicht kommentieren. Viel lieber sprach der gebürtige Leipziger über den Auftritt seiner Mannschaft. "Ich würde nicht so weit gehen und wahnsinnige Superlative wählen", sagte Rose. "Aber es war eine richtig gute Leistung."

Freund sprach von einer "Demonstration" vor der Pause, von einer "Klasseleistung als Krönung des Herbstes" und des so erfolgreichen Kalenderjahres. "Es ist schon etwas Außergewöhnliches, was da im Jahr 2018 von Beginn weg passiert ist." Seit Saisonbeginn sind die Salzburger nun 30 Pflichtspiele ungeschlagen. Zum Jahresabschluss wartet am Sonntag um 14.30 Uhr noch ein Ligaheimspiel gegen den Tabellendritten St. Pölten.

Ihren nächsten Europa-League-Gegner erfahren die Spieler am ersten Urlaubstag. Das Los dürfte in der internen Whatsapp-Gruppe besprochen werden. "Es werden zwei schöne Spiele", versicherte Kapitän Andreas Ulmer. Die 18 Punkte hätte niemand erwartet. "Die Gruppe ist schon sehr, sehr stark gewesen. Ich bin schon stolz auf die Mannschaft. Wir sind happy mit dem Herbst in der Europa League."

Genuss

Das gilt auch für den Auftritt in Glasgow, der besonders bei Torhüter Alexander Walke einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. "Für mich ist das das geilste Spiel meiner Karriere gewesen", sagte der 35-Jährige. "Ich habe es genossen." Von großen Kulissen lassen sich die Bullen längst nicht mehr beeindrucken. "Es ist auch sehr beeindruckend, wenn sie alle schweigen und verzweifeln", sagte Stefan Lainer über die Celtic-Fans, die dank Leipzigs Selbstfaller am Ende doch noch jubelten.

"Wir können nur das beeinflussen, wie wir spielen", meinte Freund über die Situation in der Gruppe. "Wir haben 18 Punkte gemacht, darauf sind wir unglaublich stolz." Stürmer Munas Dabbur führt mit sechs Toren aus sechs Spielen die Europa-League-Schützenliste an. Und nebenbei gab es weitere Punkte für die Uefa-Fünfjahreswertung, über die Salzburg Österreichs Meister nur zu gern weiterhin einen Platz in der Champions-League-Gruppenphase sichern würde. (APA, 14.12.2018)

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Schottische Pressestimmen

"The Herald": "Rosiger Ausgang für Celtic, weil Norweger aushelfen. Österreichs Meister erwies den besten Freunden von RB Leipzig einen Dienst, indem er alle drei Punkte mitnahm. Aber als alle Verschwörungstheorien bereits entstaubt wurden, kam die späte Wende. Nach all den Vergleichen mit den beiden Teilen des Energy-Drink-Imperiums ist Salzburg klar eine Mannschaft, die keine Sonderbehandlung nötig hat."

"Daily Record": "Die Roten Bulldozer. Die Österreicher überrannten Brendans Burschen, aber die gewinnen auch, wenn sie verlieren. Aus der Asche auferstanden. Rosenborg rettet die Hoops. Celtic wusste, dass sie gegen ein Team spielten, das nicht auf einer Touristenreise war."

"Scottish Daily Mail": "Glückliche Burschen. Es war eine seltsame Nacht. Eine, die mit dem bizarren Spektakel endete, dass beide Fanlager über eine Celtic-Niederlage jubelten. Celtic wurde vom österreichischen Meister ausgespielt. Celtics Torhüter schuldet Rosenborgs Held ein Getränk, nachdem ihn ein spätes Tor vor dem Gefängnis bewahrt."

"The Times" (Schottland-Ausgabe): "Celtics großes Entkommen. Jeder war ein Gewinner. Es war das verrückteste Ende einer ereignisreichen Nacht, in der Celtic von einem viel besseren Team bloßgestellt wurde. Salzburg hat den schottischen Meister komplett ausgespielt."

"Evening Times": "Für den Großteil dieses bizarren Spiels hat es sich angefühlt, als ob Celtic unter Wasser schwimmen würde. Der Celtic Park hielt kollektiv den Atem an in einer Nacht, in der Salzburg der Leistung des Parkhead-Teams den ganzen Sauerstoff auszusaugen schien. Es schaute so aus, als hätte Salzburg mehr Spieler als Celtic. Geld garantiert keinen Erfolg, aber es hilft im Fußball. Salzburg ist ein richtig gutes Team."